Teneriffa :: La Cueva del Viento

Am zweiten Tag ist der Himmel etwas grau und verspricht Regen. Wir überdenken unseren Plan, eine 16km lange Wanderung durch rutschiges Terrain zu unternehmen, da wir mit erschwerten Bedingungen rechnen. Was wir an solchen verregneten Tagen im Urlaub machen, ist uns eine Höhle zum Besichtigen zu suchen. Diese Taktik haben wir bereits erfolgreich in Deutschland und in den Dolomiten erprobt. So bemühen wir das knausrige WLAN des Hotels und stoßen auf la cueva del viento, die Höhle des Windes in der Nähe von Icod de los Vinos.

La Cueva del VientoDas ist eine echte Lavahöhle und soll eine der längsten Lavahöhlen in Europa sein. Die Höhle darf man nur mit einer Führung besuchen, für die man sich telefonisch oder im Internet anmelden kann/muss. Das sorgt bei uns für etwas Skepsis, da wir nicht glauben, dass wir gleich jemanden erreichen und zwei Plätze spontan für den Tag bekommen. Wir bitten an der Rezeption, für uns anzurufen (ruft lieber an und schreibt keine Email). Glücklicherweise bekommen wir gleich zwei Plätze für die Führung um 12:30. Wir haben noch etwas mehr als 1 Stunde, um von Santa Cruz aus hinzufahren.

Wir nehmen wieder die Autopista Norte nach Icod de los Vinos und von dort aus folgt man den Schildern. Im letzten Abschnitt wird die Fahrt sehr steil, man sieht zum Teil die Straße fast senkrecht vor sich hinaufsteigen.Und das Schöne ist, dass genau am Ende dieser Straße ein Stoppschild steht. Unser Mietauto (ein fast neuer, verbeulter Opel Corsa) röchelt besorgniserregend und kriecht kraftlos hinauf. Ich ziehe es ernsthaft in Erwägung, einen Fuß rauszulassen und etwas nachzuschieben, denn das Auto scheint jeden Augenblick aufzugeben. Seine Puste reicht genau bis zum Stoppschild, aber das passt ja auch, da muss mal auch in Spanien kurz anhalten. Beim letzten Stück bis zum Touristenbüro kommt die nächste sehr steile Anfahrt. Diesmal sind wir schlauer, wir nehmen etwas Anlauf und ziehen mit einem ungesundem Wiehern hoch. Das hat den Vorteil, dass wir nicht vor jeder Kurve hupen müssen, man müsste uns auch so hören. Dafür droht der Opel fast rückwärts zu kippen, so steil ist der Weg. Sollte es jemand von Euch ausprobieren (oder bereits ausprobiert haben) und es nicht so steil finden, dann habt Ihr bestimmt ein besseres Auto gemietet!

Im Touristenbüro zahlen wir 16€ p. P. für den Eintritt. So viel Eintritt für eine Höhle habe ich echt noch nicht gezahlt! Und ich war schon in einigen. Selbst für The Hobbit in 3D am Wochenende zahlt man weniger ;)! Da man täglich nur 3 Führungen mit einer begrenzten Anzahl Personen macht, klingt das ganze fast exklusiv. Aber das hat auch seine Gründe: die Höhle ist relativ „neu“ für Touristen (erst seit etwa 5 Jahren) und man will die Höhle und die Tiere, die darin leben, nicht zu sehr belasten. Abgesehen davon dauert eine Führung etwa 2.5 Std., weshalb es auch zeitlich schwierig wäre, mehrere Gruppen reinzulassen.

LaCuevaDelViento-2Unser Guide heißt Frank. Er versammelt uns vor einem Bildschirm und erklärt uns, wie die Höhle entstanden ist. Sein Humor gefällt mir auf Anhieb, er ist furztrocken und Frank lacht nicht, wenn er einen Witz reißt. Ich liebe solche Leute! Er hat eine Glatze und spuckt ein wenig beim Reden, aber das macht ihn fast noch sympatischer.

Nach unserer Einarbeitung in die Lavavorgänge werden wir mit Minibussen abtransportiert und in den Wald gebracht. Es klingt bedrohlich, ist es aber nicht. Wir bekommen Stirnlampen und Helme und auch bunte Mützchen, die man unter dem Helm tragen muss. Ich entscheide mich selbstverständlich für eine pinke. Bin ja ein Mädchen. Ich muss sagen, wir alle sahen mit den Mützen schlimm aus. Ich ganz besonders, deswegen gibt es hier auch kein Foto von mir.

LaCuevaDelViento-3Der Weg zur Höhle führt uns durch einen Kiefernwald. Frank erzählt uns, dass hier vor etwa 4 Monaten ein schwerer Waldbrand gewütet hätte. Aber die Teneriffa-Kiefer sei nahezu feuerresistent und jetzt, 4 Monate später, seien die Bäume wieder ok. Und tatsächlich, ich schaue mir die Rinde der Stämme an, mehrere verkohlte Schichten Rinde, aber die Bäume sind lebendig und grün! Hätte Frank nichts gesagt, wäre mir das gar nicht aufgefallen. Ich muss sagen, ich bin schwer beeindruckt, wenn ich so ein Naturwunder sehe! Also achtet darauf, falls Ihr demnächst auch hingeht und fasst die Rinde auch an. Ihr werden überrascht sein, wie hart sie ist, obwohl die verkohlten Stellen so zerbrechlich aussehen.

LaCuevaDelViento-5Nun sind wir endlich vor dem Eingang der Höhle. Für diese braucht man feste Schuhe, denn der Boden ist naturbelassen und somit z. T. sehr holprig und extrem scharfkantig. In der Höhle selber zeigt uns Frank die verschiedenen Schichten Lava und Felsformationen und erklärt uns, welche Vorgänge die Höhle geformt haben. Ich frage, warum die Höhle so heißt, wie sie heißt. Frank erklärt, dass an heißen Tagen ein leichter, erfrischender Wind durch die Höhle wehen würde, den man aber eher im Sommer zu spüren bekommt. Jetzt, im Dezember, hätte die Höhle fast die gleiche Temperatur wie die Luft draußen, weshalb man das nicht so richtig wahrnehmen kann und die Bedingungen wohl nicht gegeben sind, dass dieser Wind durch den Temperaturunterschied entsteht.

Am Ende der Führung machen wir unsere Stirnlampen aus und verbringen eine Schweigeminute in völliger Dunkelheit. Jetzt wissen wir, wie es in der Höhle in Wirklichkeit ist und in welcher Dunkelheit die Höhlenbewohner sich zurechtfinden müssen. Nur unser Atem, die Dunkelheit und die Spinnen… cool…

Nicht zuletzt überrascht uns Frank mit etwas völlig Unerwartetem. Er sagt, nur bei dieser einen Führung heute machen sie eine Ausnahme und servieren uns eine der kulinarischen Spezialitäten Teneriffas: el barraquito! Wir sind alle hellauf begeistert und können es kaum erwarten. Wann bekommt man schon in einer echten Lavahöhle auch einen Kaffee? Langsam zahlt sich der Eintritt aus, die Höh(l)epunkte stapeln sich dezent. Und ich muss sagen, so einen geilen Kaffee hab ich noch nicht getrunken! Und das in einer Höhle! Solltet ihr den Baraquitto dort auch gekostet haben, bitte lasst mich unbedingt wissen, wie Ihr ihn findet! Wer es ausprobiert hat, weiß, was ich meine ;)!

Für diese Erfahrung bedanke ich mich später sogar im Gästebuch der Cueva.

Anschließend werden wir wieder zum Touristenbüro zurückgefahren und mir entgeht nicht, mit welcher Leichtigkeit die Fahrer die steile Anfahrt erklimmen. Hm, wir müssen mehr aus unserem Mietauto rausholen…

Vor dem Abschied dürfen wir eine weitere kanarische Spezialität in ihrer puren Form kosten: el gofio! Geschmacklich überzeugt es mich sofort, so dass ich auf dem Rückweg sofort eine Packung davon kaufe (im Supermarkt) und werde demnächst ein Rezept damit ausprobieren. Über das Ergebnis werde ich hier berichten.

Fazit: la cueva bekommt von mir 5 Sterne (von 5), nicht zuletzt dank Frank, der sich viel Zeit nimmt, alles zu erklären und es auch mit Begeisterung tut!

Wie findest du la cueva del viento? Würdest du gern hingehen oder warst du schon dort? Wie hat es dir gefallen?

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