Teneriffa :: Anaga-Gebirge und Taganana

Wanderung durch den Lorbeerwald (Tour Nr. 12) & warum das einer der teuersten Urlaube wurde

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An diesem Tag wandern wir durch einen echten Lorbeerwald im Anaga-Gebirge.
Ich bin begeistert von den verwachsenen Lorbeerbäumen. Lorbeer kenne ich sonst nur abgepackt vom Supermarkt. Um sicher zu gehen, dass wir hier richtig sind, pflücke ich ein Blatt und zerdrücke es zwischen den Fingern. Ja, es duftet tatsächlich nach Lorbeer!
Je länger wir wandern, desto öfter muss an den Elfenwald aus dem Film „The Hobbit“ denken.

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Die Bäume bilden regelrechte Kuppelgeflechte über dem schmalen und oft rutschigen Pfad. Es sieht tatsächlich ein wenig nach einem verwunschenen Märchenwald aus.

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An zwei Stellen kann hat man eine wunderschöne Aussicht auf den Ozean:

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Die Wanderung ist nicht anstrengend und lässt sich in ca. 2.5 Std bewältigen.
Somit ist der Nachmittag noch jung, als wir mit der Wanderung fertig sind, und so entscheiden wir uns, einen der Lavastrände bei Taganana zu besuchen. Dabei will ich mein Versprechen einlösen, das ich meiner guten Freundin Dona gegeben habe: einen schwarzen Lavastrand fotografieren.
Während man hinunterfährt, hat man immer wieder einen sehr schönen Ausblick auf das Dorf Taganana, das sich zwischen den Felshängen eingekuschelt hat:

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Zuerst besuchen wir den Strand an der Carretera de Almáciga, der zwischen Playa de Benijo und Playa San Roque liegt. Der Wellengang ist schon mal nicht schlecht. Ein Schild in allen möglichen Sprachen informiert, dass hier eine gefährliche Strömung herrscht.

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Ich wage paar Schritte ins Wasser. Bin zwar süß, aber ja nicht aus Zucker.

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Zu meiner Verwunderung ist das Wasser viel wärmer als erwartet. Genau genommen hätte ich ins Wasser gehen können, ohne groß zu frieren. Wenn der kühle Wind sonst nicht wäre. Ich bin schon mal begeistert von dem glänzenden schwarzen Sand und posiere dezent für ein paar Fotos ;).

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Dabei fällt mir die gemeinte Strömung sofort auf. Selbst kleinere Wassermassen scheinen einen mit ziemlicher Kraft mitreißen zu wollen. Deshalb beobachte ich die kommende Welle mit dem nötigen Respekt. Ich weiß, dieses Foto schmeichelt mir nicht, aber was soll´s…

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Nachdem wir einige Matrixfotos für Anfänger geschossen haben, fahren wir zurück in Richtung Taganana, zur Playa San Roque. Hier kann man auf dem Felsen den Wellen auch ein wenig näher kommen.

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Dennoch fällt sofort auf, dass die See an diesem Strand sehr rau ist. Mehrere Meter hohe Wellen brauen sich immer wieder zusammen und versuchen von allen Seiten den Felsen zu ertränken. Meistens schaffen sie es aber doch nicht so weit.
Der Boden wird zwar mal etwas nass und man bekommt ein paar Spritzer ab, aber sonst aaaalles easy. Mutig wage ich mich ganz an die Spitze des San Roque. Und sehe wie ein Minitsunami auf mich zurast. Ich stehe tapfer meinen Mann und… es passiert nicht viel. Nur weißer Schaum besprenkelt mein Gesicht. Das war´s schon?!
Ich stampfe umher und wundere mich, warum manche der anderen Besucher sich so anstellen und sich die Wellen nicht von meiner Warte aus anschauen wollen. Alles Memmen! Dabei kann man den Wellen stundenlang zusehen. Wie sie sich aufbauen, bedrohlich groß und wuchtig werden, man wartet auf den Höhepunkt und dann prallen sie grölend auf den ausgehöhlten Felsen und zerfallen zu tausenden salzigen Spritzern.
Und schon kommt die nächste und das Spiel beginnt von vorne.
Bis DIE Welle kommt, die nicht direkt vor dem Felsen zu tausend salzigen Spritzern zerfällt.
Sondern direkt davor noch höher und höher und bedrohlicher wird und einfach nicht aufhören will zu wachsen und dann einfach den Felssteg verschlingt!

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Laut schreiend laufe ich davon, aber es ist zu spät!

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Ich stehe nass da, zur Belustigung aller „Memmen“, die die Wellen doch richtig eingeschätzt haben.
Der Wind ist kühl und meine Hose triefnass, aber noch finde ich es amüsant.

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Ich ermutige Mister G. auch etwas nach vorne zu kommen, damit er noch coolere Bilder von den Wellen schießen kann. Was er auch tut, ist Fotografieren ja sein Hobby. Fürsorglich, wie ich bin, warne ich ihn, seine Augen offen zu halten und sich auf die Tücke der Brandung gefasst zu machen. „Jaja“ sagt er nur und fotografiert fröhlich weiter.
Bis erneut sich eine größere Welle aufbaut. Noch kann man nicht abschätzen, wie sie sich entwickelt, aber mir scheint, dass da was Größeres kommt… Vorsichtshalber stoße ich einen lauten Ton aus und gebe somit das Signal, die Flucht zu ergreifen.
Ein paar Spritzer erreichen uns noch von links und ich wähne mich schon in Sicherheit…
In diesem Moment trifft uns mit voller Wucht, wie aus dem Nichts, eine gewaltige Wasserlawine! ZOMG****?!?!?
Wir wissen nicht, wie das passierte, aber das ist das letzte Bild, das Mister G. mit seiner 1500€ teuren Kamera schießen konnte, bevor die Fluten kamen:

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Danach versuchen wir zu retten, was zu retten ist. Objektiv, Konverter, SLR, kleine Taschenkamera und Handy, alles steht unter Wasser. Und Meereswasser ist ja bekannt für seine Aggressivität, was Elektronik anbelangt.
Mister G. ist untröstlich und ich bin es auch. Da fällt einem nicht mehr auf, dass man komplett nass gebadet ist.
Ein anderes Pärchen vertröstet uns mit dem Versprechen, uns ein Bild aus dem Geschehen per Email zu schicken. Darauf bin ich zu sehen, wie ich den Fluten entspringe. Und hinter mir, IN der Welle ist irgendwo Mister G., man kann ihn aber vor lauter Wasser nicht mehr erkennen. Die Fotografin weist mich darauf hin, dieses Bild gut aufzuheben, denn es wird wahrscheinlich eins unserer teuersten sein: im Wert von etwa 4000€, wenn man die Gegenstände zusammenrechnet, die durch die Welle zerstört wurden.
Nun ja… das Foto habe ich leider noch nicht erhalten, aber die Erinnerung sitzt noch tief. Es war sehr lustig.
In einer durchwachsenen Stimmung entblättern wir uns direkt am Strand und fahren spärlich bekleidet zurück ins Hotel.

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4 Antworten

  1. maze sagt:

    ohje…das klingt ja einerseits lustig, andererseits klingt es einfach nur furchtbar… wenn ich mir vorstelle, dass meine kamera dabei draufgegangen wäre. oh wehhh!!!!!!
    das tut mir leid für euch aber immerhin hattet ihr ein einmaliges erlebnis, das ihr wohl nie mehr vergesst 🙂
    liebe grüße,
    maze

  2. Jörg sagt:

    Oh nein, das ist aber wirklich nicht lustig… Sch… Wir waren übrigens vor kurzem auch im Anaga-Gebirge, echt toll!

    Liebe Grüße, Jörg

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