Hiking in Singapur :: The MacRitchie Trails

Die längste Wanderstrecke in Singapur kann man wohl eher bei einem Streifzug durch die Shoppingmalls zurücklegen. Aber nachdem ich meinen Lieblingsladen von Desigual in meiner Lieblingsshopping-Mall VivoCity* mehrfach geplündert und somit eh nicht mehr viel Geld übrig hatte, war auch meine Lust auf Shoppen kurzzeitig verpufft. Jaaa, das kommt tatsächlich nach 2-3 Tagen vor!

Und so ziehe ich meine Wandersandalen an, schnappe mir 3 Liter Wasser und mache mich auf dem Weg zum MacRitchie Reservat, das der älteste Naturpark in Singapur ist.

Man kann entweder mit dem Auto/Taxi hin und auf dem Parkplatz bei Venus Drive parken/aussteigen. Oder man nimmt, so wie ich, den Bus** und steigt am Upper Thompson Road aus. Von dort aus läuft man ein kurzes Stück zurück und schon beginnt der Wanderpfad ins Reservat hinein. Es ist aber auch möglich von Lornie Road aus das Reservat zu betreten, da ist eigentlich der Haupteingang, s. unten. Mein primäres Ziel war der TreeTop Walk, deswegen startete ich meine kleine Wanderung nicht am Haupteingang.

Hiking in Singapur The MacRitchie Trails

Nach kurzer Zeit ist man schon im tropischen Wald, aber verlaufen kann man sich nicht wirklich. Man folgt den Schildern und irgendwann biegt man nach rechts ab in den Peirce Track, über den man zu dem HSBC TreeTop Walk gelangt. Das ist eine etwa 250m lange und ca. 25m hohe Hängebrücke, von der aus man einen tollen Ausblick über den Dschungel hat. Sie verbindet die zwei höchsten Punkte im MacRitchie Reservat – Bukit Peirce und Bukit Kalang. Geöffnet ist die Brücke täglich zw. 9-17h (am WE ab 8:30 und montags geschlossen).

Hiking in Singapur The MacRitchie Trails

Auf diesem Hiking-Pfad kann man die tropische Flora und Fauna bewundern und einige Tiere in ihrer natürlichen Umgebung erleben.

Hiking in Singapur The MacRitchie Trails

Auf meinem Weg begegne ich nur Affen und mit einem geraten wir fast in ein handfestes Gemenge. Der Affe hält eine große Frucht in seinen Händchen. Und ich halte einen kleinen Fotoapparat in meinen Händchen.

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Ich will den Affen fotografieren und nähere mich ihm. In diesem Moment hört die Musik auf zu spielen. Der Affe lässt die Frucht abrupt fallen und einige Sekunden lang starren wir uns an, wie in einem Westernfilm. Gerade denke ich mir, ich hätte das Spiel gewonnen und will schon knipsen, da kreischt de Affe bedrohlich, springt blitzschnell runter und ist mit wenigen Sätzen bei mir. Sein Schrei lockt augenblicklich ein paar andere affige Genossen an. Ich bin plötzlich umzingelt und deutlich in der Unterzahl. Da gibt es für mich keine Zeit zum Überlegen. Diesmal bin ich es, die einen schnellen Satz nach hinten macht. Ich räume schleunigst das Feld. Im Nachhinein etwas schade, dass keiner meinen bemerkenswert schnellen Sprung mitbekommt. Einmal springe ich wie ein Super Hero und es gibt niemanden, der es gesehen hat… Bis auf die Affen.
Danach laufe ich weiter in Richtung Jelutong Tower. Der Weg ist an sich weder zu schwer noch zu lang (zw. ca. 3-11km). Und ich bin sonst fit genug und komme mit dem warmen, feuchten Wetter ganz gut zurecht. In Singapur bin ich fast jeden Tag etwa 10km zu Fuß gelaufen. Und in Deutschland sind Wanderstrecken zwischen15-25km an einem Tag auch kein Problem gewesen. Aber an diesem Tag bin ich wohl nicht auf dem Höhepunkt meiner Ausdauer. Abgesehen davon ist die Luft im Wald noch ein Tick schwüler. Und es gibt keinen Seven-Eleven-Laden, in dem man was zum Trinken kaufen kann. Ich habe bereits mein ganzes Wasser getrunken. Auf der einen Seite, weil ich Durst hatte, auf der anderen, weil ich meinen Rucksack erleichtern wollte. Und langsam aber sicher merkte ich, dass dies keine kluge Entscheidung war… An diesem Tag stelle ich meinen persönlichen Rekord in Schwitzen auf. Schon auf halber Strecke sind meine Klamotten und Haare klatschnass. Und kurz vor dem Jelutong Tower habe ich das dringende Bedürfnis oben ohne weiterzulaufen. Dazu wird man auch fast regelrecht verleitet, denn auf diesem Weg verirren sich nicht viele Touristen. Sie sind ja alle in den Shoppingmalls. Dennoch wird man gelegentlich von drahtigen kleinen asiatischen Joggern überholt. Die alle oben ohne (da männlich) an einem vorbeilaufen und dabei einen sehr flotten Eindruck machen. Ich gucke nur neidisch hinterher, vor allem, wenn ich sehe, dass sie was zum Trinken dabei haben.

Meine Kräfte reichen dennoch aus, um auf den Jelutong Tower zu steigen und ich gönne mir wieder einen tollen Ausblick über den tropischen Wald:

Hiking in Singapur The MacRitchie Trails

Nur etwa 2% des Lichtes dringe in einem tropischen Wald durch die Baumkronen bis zum Boden. Eigentlich herrsche da für die Pflanzen ein erbitterter Kampf um jeden Lichtstrahl. Ich kann es ihnen fast nachempfinden. In diesem Augenblick herrscht bei mir ein Kampf um die letzten 2% meiner Wasserreserven. Ich verlasse den Turm und gehe weiter in Richtung Lornie Road. Und relativ schnell merke ich, dass der Wald schon längst der Zivilisation gewichen ist. Links von mir ist der Dschungel und rechts von mir sehe ich den perfekt gemähten, saftig grünen Rasen eines Golfclubs (Singapore Island Country Club). Herren in hellen Schuhen und spießigen Poloshirts schwingen lässig die Hüften und setzen zum Abschlag an. Wasser plätschert. Eine Bedienung kommt vorbei und bringt ihnen kleine Erfrischungen. Und nur etwa 30 Meter weiter verfolge ich das Geschehen mit einem schon leicht wahnsinnigen Blick, durchgeschwitzt bis auf die Knochen, die Haare kleben mir an der Stirn, mein Mund ist trocken, ich fühle mich klebrig und erschöpft und mein Handy zeigt mir an, ich müsse noch 4.7km auf dem Jering Trail weiter laufen! Mir ist klar, dass das ohne Wasser nicht drin ist. Ich bin so am Ende, dass ich es ernsthaft in Erwägung ziehe, über die niedrige Hecke zu springen und mich der heilen Golfidylle anzuschließen. Um dann dem nächststehenden Golfer das Getränk wegzuschnappen, bevor ich mir ein Taxi rufen lasse. Dann stelle ich mir vor, wie ich vom Sicherheitspersonal hinausgetragen werde…
Also beschließe ich was anderes: ich laufe geradeaus (anstatt nach links zum Haupteingang) und folge den Motorgeräuschen und hoffe, dass der schmale Weg keine Sackgasse ist. Und in der Tat bin ich schneller an einer Bushaltestelle, als ich mir hätte träumen können. Ich weiß nicht mehr welchen Bus ich genommen habe. Irgendeinen. Ich wollte mich einfach nur in einen klimatisieren Raum stellen. Und ich muss sehr fertig ausgesehen haben. Ein kleines Schulmädchen schaut mich mit großen Augen an und bietet mir im überfüllten Bus seinen Sitzplatz an.
Fazit: Tolle Wanderstrecke und eine willkommene Abwechslung etwas jenseits von Auto- und Baulärm, aber nehmt Wasser mit. So viel ihr tragen könnt.

*Vivo City ist eine der tollsten Shopping-Malls in Singapur. Sie erinnert an ein Labyrinth und ist sehr kunstvoll und bunt gestaltet:

Vivo City Singapur

Vivo City Singapur

Hier könnt ihr zur Information gehen und euren Reisepass vorzeigen. Dann bekommt ihr eine Touristenkarte, mit der ihr viele Rabatte in vielen der Shops bekommt. Und von hier aus kann man die Insel Sentosa besuchen. Zu erreichen ist die die Vivo City, wenn man an der MRT Haltestelle Harbour Front aussteigt.

**Busverbindungen zum MacRitchie Reservat: 52, 74, 93, 130, 132, 156, 157, 162, 165, 166, 167, 852, 855 und 980. Oder von Orchard Road aus 132 oder 167.

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