Keine Schokolade ist auch keine Lösung…

Alle guten Dinge im Leben sind entweder illegal, unmoralisch oder man wird davon dick.

Nach dem unmoralischen Exkurs im letzten Beitrag arbeite ich mich heute durch bis zum dritten Punkt.

Wie viele von euch, habe ich auch einen zweiten Magen, der für alle Arten von süßen Speisen vorgesehen ist. Dieser Magen ist bei mir vor allem eins: allzeitbereit. Er kann immer und er will immer: etwas Süßes haben.

In Singapur musste ich die Existenz dieses Magens unerwarteterweise in Frage stellen. Plötzlich weckten Schokolade, Muffins oder Kekse keinerlei Gelüste mehr in mir. Für einen kurzen Moment ließ mich das an meiner geistigen Gesundheit zweifeln…
Aber bald fand ich den Grund heraus: es war zum Glück nur

Die Hitze…

Bei Dauertemperatur > 27° hat Schokolade ihre richtige Konsistenz (schmilzt bei 26°) von vorne herein verloren. Sie liegt dann wie Blei im Magen und man hat das Gefühl, dass sie noch fetter macht… Und plötzlich hat man auch keine Lust mehr auf Sachen wie Käse, Wein, Salami und alles, was man in Deutschland sonst so gern gegessen hat (naja, zumindest mir ging es so).

Ich wollte es am Anfang nicht so richtig glauben und nachdem ich mich mit manch asiatischem Essen nicht anfreunden konnte, gingen wir in ein bayrisches Restaurant in Vivo City. Dort wurden wir von der Bedienung – drei hochgewachsenen Indern – mit einem einwandfreien „Servus!“ begrüßt. Gfoit ma ;), aber nach Deftigem war’s mir auf Dauer auch nicht…

Also wähnte ich mein Figürchen schnell in Sicherheit: täglich mehrere Kilometer Fußmarsch, keine Schokolade und die angeborene Abneigung gegenüber frittierten Hühnerköpfen ließen mich zunehmend erschlanken.

Aber wie soll es anders sein, eines Tages lief ich an einem der Cake Shops von Bengawan Solo vorbei.

Abgesehen davon, dass Bengawan Solo ein indonesischer Song über einen Fluss sei, ist das auch eine Kette in Singapur, die indonesische Spezialitäten, Kuchen und Kekse herstellt. Gegründet wurde sie von einer Dame, die einst ihre hausgemachten Kuchen zuerst an die Nachbarn und später an umliegende Geschäfte und Restaurants verkaufte. Bis ihr die Steuerbehörde auf die Schliche kam. So sei sie gezwungen gewesen, entweder ihre Backkünste wieder in die eigenen vier Wände zu verlagern oder einen eigenen Laden zu eröffnen. Offensichtlich hatte sie sich für Letzteres entschieden und ist heute Millionärin.
Und so kann man ihre Kreationen heutzutage in Singapur kaufen: Kuchen mit exotischen Namen, interessantem Aussehen und für mich völlig neuem Geschmack. Um nur ein paar davon zu nennen: Binka Ubi, Kueh Angku, Lapis Sagu, Kueh Dadar, Kueh Talam, Talam Ubi, Talam Hidjau, Ongol Ubi… Es handelt sich dabei meistens um süße gedämpfte Kuchen von halbfester und z. T. leicht klebriger Konsistenz.

BengawanSolo-2

 

BengawanSolo-3Zu dem Zeitpunkt konnte ich mit Namen wie Ubi-Bubi und Angu-Mangku nichts anfangen. Und aus Form und Farbe wurde ich auch nicht schlau. Sprich, ich konnte mir nicht vorstellen, wie die Küchlein schmecken oder riechen. Daher kaufte ich ein Probierset, bestehend aus Binka Ubi, Kueh Angku, Kueh Dadar, Talam Hidjau und Lapis Sagu.

BengawanSolo-1Plötzlich meldete sich das zweite Mäglein wieder. Ich beschloss das süße Stück zu probieren, von dem ich mir geschmacklich am wenigsten versprach. Und so fing ich an, an einem Kueh Dadar – eine Art grüner Pfannkuchen – zu naschen… Einen Bissen später und ich machte kehrt. Keine 3 Minuten waren seit meinem Einkauf vergangen, schon stand ich wieder vor dem Laden und kaufte drei weitere Kueh Dadars. Ich hätte wirklich nicht erwartet, dass mir dieser grüne Pfannkuchen so munden würde…

Er ist gefüllt mir einer Kokosmischung, die mit Palmenzucker zubereitet ist. Und der grüne Teig hat einen besonderen, samtweichen Duft, den ich nicht kannte: den Duft nach Pandan. Meine umgehende Recherche ergab, dass Pandanblätter in Indonesien, Malaysia, Thailand und alles, was in der Nähe ist, weit verbreitet seien. Sie haben einen ganz besonderen milden Duft/Geschmack (hier schmeckt man ganz klar mit der Nase) und harmonieren hervorragend mit Gerichten, die mit Kokos zubereitet werden. Pandan-Blätter werden auch oft eingesetzt, um den Geschmack von billigem Reis zu veredeln:

Pandan

Pandanpflanze, Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Pandanus_amaryllifolius

In diesem Fall hatten die Pfannkuchen nicht nur ihren geilen Geschmack, sondern auch ihre geile Farbe diesen Blättern zu verdanken. Und trotz Hitze konnte ich sie gut essen und mir hat’s sogar immer wieder danach gelüstet 😉 (übrigens, Binka Ubi wäre mein zweiter Favorit).

Es war sofort klar, dass ich sie zu Hause nachmachen werde. Schon in SG kaufte ich ein Päckchen Palmenzucker für die Füllung. Die Pandanblätter musste ich aber in Deutschland erstmal suchen.

In Singapur kann man sie in jedem Supermarkt für etwa 45 Cent (SGD) kaufen (ca. 0.30€). In Deutschland bekommt man sie frisch in guten Asialäden für etwa 2€ pro Bund. Das erste Mal kaufte ich sie aber tiefgefroren in einem Asiashop. Zu Hause angekommen musste ich feststellen, dass sie schon im Jahr 2011 abgelaufen waren… Ich ließ mich nicht entmutigen: aufgetaut, den Riechtest durchgeführt, für gut befunden und zu Kueh Dadar verarbeitet. Selbstlos wie ich bin, ließ ich vorsichtshalber Mr. G und engste Freunde zuerst probieren, bevor ich mich selber da ranmachte ;D.

Neee, das war natürlich Spaß. Äh fast. Beim zweiten Mal kaufte mir Mr. G dann frische Blätter.

Und da ihr euch bestimmt schon fragt, wann ich endlich das Rezept rausrücke, hier ist es:

Kueh Dadar selbst gemacht ;)

Kueh Dadar selbst gemacht 😉 (auch bekannt unter dem Namen Kueh Ketayap)

Für den Teig

  • 6 Pandan Blätter
  • 250 ml Wasser
  • 150 gr Mehl
  • 1 Ei, verrührt
  • 60 ml Kokosmilch
  • 1 Prise Salz

Für die Füllung (ich persönlich nehme nur die Hälfte an Kokosraspeln und Zucker!)

  • 300 gr Kokosraspeln
  • 150 gr Palmenzucker
  • 2 Pandan Blätter
  • 100 ml Wasser
  • etwas Butter
  1. Füllung zubereiten: Palmenzucker zerkleinern (falls er in gepresstem Zustand vorliegt) und mit verknoteten Pandan Blättern in einen Topf mit dem Wasser erhitzen. Wenn das Wasser kocht, Hitze reduzieren und die Kokosraspeln hinzufügen und gut vermischen. Weiter rühren, bis das Wasser verdunstet ist, aber die Kokosraspeln noch feucht sind. Dann vom Herd nehmen und auskühlen lassen.
  2. Teig zubereiten: Die Pandan Blätter grob zerkleinern und in einem Mixer pürieren. Durchsieben, um den Saft abzufangen. Mehl mit Salz vermischen. Das Ei dazu geben und langsam mit der Kokosmilch und den Pandan Saft verrühren. Klumpenbildung vermeiden und wenn nötig mit Wasser oder Kokosmilch verdünnen.
  3. Dünne Pfannkuchen in einer Pfanne braten.
  4. Jeweils einen Löffel von der Füllung auf jeden Pfannkuchen geben und zusammenrollen.

Ich mag sie persönlich am liebsten lauwarm und trinke dazu ganz non-indonesisch einen kühlen, selbst gemachten Ayran (bei warmem Wetter ebenfalls bewährtes Getränk). Oder wie wäre es mit Tee??

Enjoy :)!

Das könnte auch interessant sein...

Schreibe einen Kommentar! Ich freue mich auf Dein Feedback!

Werde ein Fan von The Hiking High Heel!schliessen
oeffnen
%d Bloggern gefällt das: