Andere Länder-andere Bierflaschen :: Kleine Anleitung für Bulgarien

Hallo ihr Lieben!!!
Gerade bin ich zurück aus meiner Rundreise durch Griechenland und weile für ein paar Tage in Bulgarien im Schoß der Familie. Und aus diesem Anlass konnte ich mich nicht erwehren, einen Beitrag über die bulgarischen Sitten und Bräuche zu verfassen. Da ich diese seit einigen Jahren aus einer anderen Warte aus betrachten kann, kommen sie mir mittlerweile exotischer vor als zu Zeiten, als ich noch in Bulgarien lebte. Deswegen habe ich nun ein paar Fakten zusammengestellt, die lustig und informativ zugleich sind.
Die bulgarische Lösung eines Problems ;)...

Die bulgarische Lösung eines Problems ;)…

Also fangen wir gleich mit dem Klassiker an:

Ja und Nein

In Bulgarien bedeutet ein Kopfnicken „Nein“ und ein Kopfschütteln „Ja“. Das wird oft von einem entsprechenden Gesichtsausdruck begleitet: man formt die Lippen zu einer ablehnenden Grimasse, rümpft die Nase und nickt mehrmals gleichmäßig mit dem Kopf auf und ab und schon hat man das bulgarische „Neee, nee, ne, neeee“ mitgeteilt. Und wenn man kommunizieren will, dass man mit einer Sache einverstanden ist, neigt man den Kopf/das jeweilige Ohr abwechselnd zur Schulter hin, oder bewegt den Kopf mehrmals schnell und in kleinen Amplituden von rechts nach links (oder umgekehrt). Letzteres ist oft von einem „Mmmmm“ oder „Hmmmm“ begleitet, was dem Gesprächspartner signalisieren soll: „Jou, so ist es, so sehe ich das auch“.

Wer also diese feinen Nuancen der bulgarischen Körpersprache noch nicht richtig einstudiert hat, wird angehalten, auf das verbale „Ja“ und „Nein“ auszuweichen und zur Not andere begleitende Gesten einzusetzen.

Alkohol richtig bestellen

In Bulgarien ist die Maßeinheit von 2cl oder 4cl unüblich, wenn man in einer Kneipe Alkohol bestellt. Stattdessen gibt es  50 Gramm (50ml) oder 100 Gramm (100ml). Dementsprechend nennt man die 50 Gramm „ein Kleines“ und die 100 Gramm „ein Großes“. Logischerweise ist dann „ein doppeltes Großes“ 200 Gramm (200ml). Es ist ratsam, bei der Bestellung zu spezifizieren, welche Menge man haben möchte. Sollte man zur Bedienung sagen „Bring mir eins“, würde diese in aller Regel die Defaultmenge von 100 Gramm annehmen. Ferner gibt es in Bulgarien keine „Longdrinks“, wie man sie aus Deutschland kennt. Wenn man einen Jacky Cola bestellt, würde die Bedienung einem höchstwahrscheinlich ein Whiskyglas mit „einem Großen“ und eine kleine Cola-Flasche hinstellen. Zum Selbermischen.

Naseputzen in der Öffentlichkeit ist ein No-Go!

Das ist in Bulgarien ein Zeichen von schlechten Manieren. Das sollte man vorzugsweise auf dem stillen Örtchen oder nur in der eigenen Gesellschaft erledigen.

An dieser Stelle: mir ist zu Ohren gekommen, dass viele der Berater aus der EU, die Bulgarien „das Europäische“ beibringen sollen, dieses für Bulgaren hochgradig inakzeptable Verhalten mehr als häufig an den Tag legen und für stilles Entsetzen bei den Sitzungen sorgen. Das könnte eine mögliche Erklärung für die leichte Europäisierungsresistenz der Bulgaren sein, die wohl nicht alle „Standards“ annehmen wollen 😉 …

Anschnallen beim Autofahren

Anschnallen beim Autofahren wird immer noch häufig mit Verachtung quittiert: vor allem Taxifahrer halten nichts von Anschnallen und sind häufig beleidigt, wenn der Kunde es wagt, den Sicherheitsgurt anzulegen. Diese direkte Demonstration von fehlendem Vertrauen in die Fähigkeiten des (Taxi)Fahrers wird oft von schnippischen Bemerkungen begleitet. Bis hin zur dezenten Aufforderung, das Taxi zu verlassen und sich einen anderen Fahrer zu suchen, dem man mehr vertraue. Das kann ich auch aus eigener Erfahrung berichten: ich bin dann ausgestiegen und da standen wir zwei eingeschnappt in der warmen Sommernacht – ich ohne Taxi und der Taxifahrer ohne Kundschaft :D!
In vielen anderen Fällen ist mir aufgefallen, dass auf den hinteren Sitzen die Sicherheitsgurte einfach entfernt wurden. So kann sich der Kunde nicht anschnallen, der Taxifahrer ist nicht eingeschnappt und droht nicht, seine Kunden aus falsch verstandenem Stolz zu verscheuchen: eine vermeintliche Win-Win-Situation für alle ;).
An dieser Stelle sage ich nur noch zwei Worte: Zombieland und Regel Nr. 4!

Bier und Wasser

In Bulgarien gibt es keine Getränkemärkte und es gibt keine Bier-Six-Packs. Dennoch muss keiner in Biernot geraten, dafür gibt es die 2L und sogar 3L Bierflaschen. Aus Plastik. Und bevor sich jemand übers Plastik empört, ich kann euch beruhigen: ich habe alle Marken in diesen Flaschen bereits höchstpersönlich und ausgiebig getestet und konnte keine Geschmacksverschlecherung feststellen ;).
Auch in Sachen Mineralwasser gibt es Unterschiede: die Bulgaren trinken grundsätzlich kein Mineralwasser, das mit Kohlensäure versetzt ist. Demzufolge ist solches auch eher rar (es gibt wohl nur eine Marke zur Auswahl). Wie es in einer aktuellen Werbung heißt: „Für uns Bulgaren, das Mineralwasser ist ohne Kohlensäure“. Das ist also eine spezielle Form von Individualismus 😉 . Ich bevorzuge auch Wasser ohne Kohlensäure, so lernt man den Geschmack von den verschiedenen Sorten Wasser zu unterscheiden, scheint mir gesünder und ist aus annehmbaren Gründen bei geschäftlichen Terminen (vor allem nach einem deftigeren Essen) zu empfehlen.
Ein weiterer Schreckmoment für beide Seiten: Spezi (das Mix aus Cola und Fanta) ist hierzulande unbekannt. Man kann selbstverständlich ausweichen, indem man einfach eine Cola und eine Fanta und ein leeres Glas bestellt und es selber mixt. Spätestens bei dem leeren Glas wird die Bedienung aber misstrauisch. Sollte man für etwas Gesprächsstoff sorgen wollen, ist der „Speziweg“ eine geeignete Möglichkeit. Und stellt euch dann mal vor, ihr würdet „Geiß“ oder „Russ“ bestellen 😉 ??
Beim Radler dürfte sich das mittlerweile relativiert haben: nach letzteren Informationen soll diese Trinkkreation bereits Einzug in die bulgarische Trinkkultur gehalten haben.

Fazit:

Will man „Ja“ sagen, schüttelt man den Kopf. Will man „Nein“ sagen, nickt man.
Man soll sich die Nase nicht öffentlich putzen oder schnäuzen.
Man soll sich von Taxifahrern mit seltsamen Anwandlungen nicht beeindrucken lassen und sich trotz aller Widrigkeiten versuchen anzuschnallen.
Biermischgetränke und Schorlen sind Exoten mit zweifelhafter Daseinsberechtigung.
Grundsätzlich ist Trinkfestigkeit von Vorteil, da die Mengen anders dosiert werden.

 

So, jetzt wisst ihr Bescheid. Welche „Sitten-Spezialitäten“ aus anderen Ländern kennt ihr??

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4 Antworten

  1. … ja Dana, selbst wenn man um das andere Ja und Nein in Bulgarien weiß, bei der Frage nach dem Weg oder dem passenden Bus war ich stets sehr verunsichert. Wenn mir drei Leute eine Auskunft mit übereinstimmendem Kopfschütteln bestätigten, blieb ich dennoch skeptisch.

    In México gilt es als Unhöflichkeit, einem Fremden zu gestehen, dass man etwas nicht weiß, etwa den Weg nach xyz. Also wird die Wegbeschreibung wortreich „erfunden“.

    • Jaaa, das mit der erfundenen Wegbeschreibung kenne ich auch, allerdings aus China.
      Und heute habe ich explizit gemerkt, dass ich den Ja-Nein-Schalter völlig unbewusst umlege, je nachdem wo ich gerade bin ;)!

  2. tommimh sagt:

    Das mit dem Anschnallen haben wir vor vielen Jahren auch mal in einem Taxi dort erlebt. Selbst in den Touristenhochburgen gab es auch zahlreiche Taxen, die selbst vorne keine Gurte hatten. Wir wurden damals über die Sitte von einem Einheimischen am Abend aufgeklärt, übrigens bei einer zwei Liter Bierflasche, und konnten dann damit umgehen.

    Wenn die Fahrer ja wenigstens wirklich einen Fahrstil hätten, der zum Verzicht des Gurtes animieren würde… aber dann waren da ja auch noch die anderen Verkehrsteilnehmer, wo ich nicht nur gerne einen Gurt gehabt hätte, sondern am liebsten einen GanzKörperAirbag… 😉

    LG Thomas

    • Hahahaha, das sehe ich genau so! Da herrschen in der Tat Kleinganovenfahrstil und Anarchie. Das Schlimme ist, man wird fast gezwungen, selber so zu fahren, um überhaupt im Verkehrsdjungel zu bestehen. Und fertig ist der Teufelskreis :)!

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