Chuck Norris braucht keine Wanderschuhe

Barfuß wandern oder Haptik für die Füße

Letzten Sonntag durfte ich eine etwas andere Form des Wanderns ausprobieren: barfuß durch den Wald. Und das über Bodenbeläge, die einem z. T. gewöhnungsbedürftig und wenig motivierend vorkommen dürften: Glasscherben, Nägel, Steine.

Möglich ist so was auf sogenannten „Barfußpfaden“ oder in Barfußparks. Interessanterweise ist der nächste Barfußpark die ganze Zeit fast vor meiner Tür gewesen: zwischen Nagoldsperre und Freudenstadt – in Dornstetten in Baden Württemberg. Ich bin ja schon unzählige Male mit dem Motorrad vorbeigefahren (worden) und dennoch hatte ich den Barfußpark nie wahrgenommen. Es muss daran gelegen haben, dass ich ab einer gewissen Geschwindigkeit wohl eher damit beschäftigt war, zu beten, als der Natur Aufmerksamkeit zu schenken…

Jedenfalls ist so eine Barfußstrecke eine interessante Erfahrung: auf 2.4km Länge bietet der Pfad eine Auswahl unterschiedlicher haptischer Erlebnisse für die Füße – Holz, Steine, Kies, Gras, Erde, Tannenzapfen, Rindenmulch, Wasser, Lehm, Schlamm, Nagelköpfe, Glasscherben. Und somit auch die Unterscheidung zwischen warm, kalt, weich, hart, eckig, kantig, sanft, trocken, feucht, nass, schmerzhaft, angenehm:

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Kinder können sich hier austoben, was vielen am Ende der kleinen Wanderung deutlich anzusehen ist. Deswegen gibt es am Ende der Strecke (es ist eine Rundwanderung) eine „Resozialisierungsecke“ mit Waschbecken und Bürsten, wo man eventuelle Tarnspuren entfernen kann.

Aber auch manche Herren kommen hier ganz besonders auf ihre Kosten, da ihre Füßchen im Vergleich zu Frauenfüßen seltener das Sonnenlicht erblicken 😉 . Während Frau mit nackten Füßen über Kieselsteine (16-32 Größe) schwebt, ohne Eleganz und Anmut einzubüßen, tun sich manche männliche Wanderer eher schwer damit, barfuß über ungemütliches Terrain zu laufen. Und natürlich hat Man(n) auch prompt eine plausible Erklärung dafür: dies sei bei den Frauen ohne Zweifel auf irreversible Hornhautbildung zurückzuführen, bedingt durch das jahrelange Tragen von offenen Schuhen, Flipflops, Sandaletten und High Heels. In diesem Zusammenhang wurde mir auch empfohlen, meinen 60er-Schleifpapier-Natursohlen ein Schlammbad zu gönnen (was ich auch tat):

Lehmbad

Ich bin natürlich vieeeel zu coooool, um deswegen beleidigt zu sein. Und eine gewisse Abhärtung der Füße durch das Tragen von High Heels ist in der Tat nicht abzusprechen. Dennoch von 60er Schleifpapier weit entfernt. Eher Richtung „Baby-Popo“,  haha.

Jedenfalls ist es sehr erfrischend und befreiend, auch mal ohne Schuhe unterwegs zu sein und sich keine Gedanken zu machen, ob man nass oder schmutzig wird, oder man seine Füße verletzen könnte. Es ist wie im warmen Regen im Meer baden oder auf der Terrasse sitzen und einen heftigen Sommersturm aus sicherer Entfernung genießen. Und wer es nicht ganz so empfindet (wie mein Bruder z. B.), hat zumindest eine kostenlose Fußmassage dadurch bekommen.

Hier kannst Du nachsehen, ob es einen Barfußpark auch in Deiner Nähe gibt. Diese Parks sind meistens kostenlos und freuen sich über eine kleine Spende, die zur Erhaltung und Ausbau beiträgt.

Kennst Du auch Barfußparks und/oder bist Du auch schon mal unter „ungewöhnlicheren Umständen“ gewandert?

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6 Antworten

  1. Chris sagt:

    Tolle Idee! Einfacher haptischer Erlebnisse wurden wir zunehmend durch den technischen Fortschritt beraubt. Mit nackten Füßen durch feuchtes Gras zu laufen ist ein vergessenes Erlebnis… Werde sogleich meine zarten Füße trainieren gehen… Den ‚Rindermulch‘ möchte ich aber doch lieber nicht ausprobieren

    • Ja, da gebe ich dir recht! In Bezug auf den technischen Fortschritt und auch was den RindeRmulch anbelangt :D(so ist es mit der Autokorrektur, man vertippt sich einmal und ratzfatz sind die Rinder im Mulch ;D ) !

  2. Das ist ja mal eine geile Idee! Natürlich gibt es das in meiner Nähe mal wieder nicht 😀 Aber ich liebe es, Barfuß zu gehen und meinen nächsten Urlaub, sollte ich vielleicht mal in die Nähe eines solchen Parks legen. Verstehe nicht, wieso es das hier nicht gibt *mist*

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