„Dare To Be Dark“ oder Gaumenfreuden in Hongkong

Hongkong ist DAS Paradies für esslustige Persönchen! Wie mich. Dachte ich.

An kaum einem anderen Ort habe ich so viele Imbissbuden und Foodecken erlebt, wie in Hongkong. Ich bin natürlich nicht der Maßstab aller Dinge, aber die Dichte allein an Garküchen in Hongkong scheint mir schwer zu toppen.
Und da ich, wie gerade erwähnt, so ein verfressenes Persönchen bin, war ich nicht unglücklich darüber, bei meinem ersten Besuch in Hongkong direkt in Kowloon zu landen – einem Viertel, das berühmt für das gute Essen ist.

Dennoch erwies sich mein Aufenthalt im Herzen der kulinarischen Versuchungen über die Zeit als stark gewichtsreduzierend.

Alles begann mit einem…

  • …Frappé aus grünem Tee und roten Bohnen bei Starbucks

GreenTeaFrappe

Als eingefleischter Teesnob müsste ich es besser wissen, dass mindestens die roten Bohnen (die übrigens zu einem gezuckerten Brei verarbeitet und als eine Art Topping dazugegeben werden) hier falsch am Platz sind.

Aber ich dachte mir: „Stell dich nicht so an, du bist doch nicht in Hongkong, um einen langweiligen Latte Macchiato zu trinken! Den kannst du in good old Germany an jeder Ecke kaufen! Die Leute hier werden schon wissen, ob das zusammenpasst. Und bei dem Preis sowieso.“

Nun ja, eine Scheibe guten deutschen Brotes würde mit dem Frappé eine vollwertige Mahlzeit ergeben. Die Bohnen sind sehr nahrhaft, nur das „Kaffee“-Erlebnis bleibt auf der Strecke. Aber wenigstens mein Name ist richtig geschrieben.

Tipp: bei Starbucks gibt es auch Muffins mit grünem Tee und roten Bohnen…

  • Yin & Yang Burger bei McDonald’s

Ich bilde mir ein, ich hätte dazu gelernt und begebe mich in sichere Gewässer – bei einem Burger von McDonald’s kann man relativ gleiche Qualität oder zumindest vertrauten Fastfood-Geschmack erwarten.

Und dann sehe ich dort diese dunkle Schönheit… Exotik pur…

Black Burger

BlackBurger

Ich muss gestehen, ich hatte noch nie ein komplett schwarzes Brötchen gesehen. Und somit auch noch nie gegessen. Das Motto spricht mich auch an – „Dare to be dark. Taste the black and unveil the dark“… Ouh… mit solchen Sprüchen kriegen die mich! Ich fühle mich wie eine Mischung aus Darth Vader und Femme fatale. Und Trüffel Sauce ist auch dabei. Kann man sich denn mehr Exklusivität von einem Burger wünschen?

Auch Trüffel ist nicht gleich Trüffel und ein eingefärbtes Brötchen deutet eigentlich auf eine geschmackliche Irritation hin… das hätte ich auch hier wissen müssen… Nachdem ich mich getraut habe, meine dunkle Burgerseite auszuleben, habe ich für das blasse Yang-Brötchen nichts mehr übrig.

Langsam ist es schon spät am Nachmittag und ich immer noch hungrig. Und eine hungrige Frau ist genauso ungenießbar wie ein Grüntee-Frappé mit roten Bohnen oder ein Black Burger.

Also begebe ich mich in die Stadt. Auf meinem Weg zur U-Bahn laufe ich an diesem verlockenden Mosaik in der Nähe der Haltestelle Tsim Tsa Tsui:
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Sweet Delight Mona Lisa von Maurice Bennett

Eine Mona Lisa aus 6000 Toast Scheiben.

Und nein, das ist keine Einbildung, weil der Hunger meine Sinne getrübt hätte. Wenn man das Bild genauer anschaut und den Text dazu liest, kann man verifizieren, dass die genauen Zutaten für dieses Kunstwerk tatsächlich „Canvas, flame and toast“ sind. Was soll man dazu sagen, auf schwarze Burger und Toast-Gemälde muss man erst mal kommen. Aber für die guten Toast-Scheiben hätte ein hungriger Banause (wie ich es im Moment bin), keine künstlerische Verwendung gefunden.

Ich mische mich unter die Leute auf dem belebten Temple Street Night Market (Temple Street/Yau Ma Tei, Kowloon).

Je dunkler es draußen wird, umso lebendiger geht es hier zu. Der Himmel wird dunkelblau und nach und nach entsteht unter den blinkenden Reklamen und zwischen den unzähligen Ständen und Geschäften eine eigene kleine Welt:

Temple Street Night Market

Temple Street Night Market

Jetzt stehe ich vor einem anderen Problem – so viele Läden, dass ich nicht weiß, wo ich halten soll. Man ist schnell überfordert und die meisten Läden haben keine Speisekarte. Zumindest keine, die ich lesen kann.

Vor fast jeder Garküche baumeln aber vielversprechend lokale Leckereien unbekannter Herkunft und Beschaffenheit:
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Etwas in meinem tiefsten Inneren sagt mir, dass das Frappé und der schwarze Burger nicht das einzige Experiment an diesem Tag bleiben werden… Ich fasse all meinen Mut zusammen und bin bereit eine Garküche zu betreten und mit meinen minimalistischen Chinesischkenntnissen nach dem orangefarbenen Ding (s. zwei Bilder weiter oben) zu fragen.

Und dann passiert das Unfassbare: ich stehe vor einer Dönerbude! Ein Türke in Hongkong!

Ein warmes, wohliges Gefühl macht sich in meinem Magen breit – ein Stück deutsche Heimat in der Ferne!

Wie bei einem Kätzchen beim Tischtennis wechselt mein unterzuckerter Blick flatterhaft zwischen dem unbekannten orangefarbenen Ding und dem vertrauten Dönerspieß… Neugier vs. Hunger… „Wie würde sie sich entscheiden?“ fragt sich der Leser, der bis hierher gelesen hat…

An dieser Stelle endet die Erzählung abrupt.

Und die Moral aus der G’schicht: Döner hat man, oder nicht?

Kennst du auch das Dilemma, wenn man „neu in der Stadt“ ist? Oder hast du spannende Foodtipps für meinen nächsten Hongkong-Besuch?

 

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4 Antworten

  1. tigger0705 sagt:

    Hey,

    Das ist mal ein lustiger Bericht. Ich hatte das Problem nicht in Hongkong etwas zu essen zu finden. Alleine die ganzen Dimsum Stände sind der Hammer. Über Weihnachten und Neujahr bin ich auch wieder mit der Familie in der Stadt und ich muss sagen, ich freu mich schon drauf.

    Lg Mel

    • Hey, vielen Dank für deinen Kommentar :).
      Es ist in der Tat kein Problem, etwas zu essen zu finden, aber es hat mich geschmacklich nicht überzeugt – die Dimsum sind auch nicht ganz meins. Aber ich finde Hongkong super und würde jederzeit wieder hingehen (weiß ja, wo der Dönerladen ist :D). Vielleicht kannst du mir etwas anderes Leckeres empfehlen?

      • tigger0705 sagt:

        Also wir haben da immer und überall alles essen können, aber wir mögen da eben auch. Gerade Dimsums zum Frühstück, einfach lecker. Aber ansonsten fällt mir da spontan nichts ein, aber ich kann ja mal schauen, was wir tolles finden, wenn wir im Winter da sind.

        Wenn du jetzt nach Vietnam fahren würdest, könnte ich dir wahrscheinlich eher etwas empfehlen, obwohl das auch schon fast 10 Jahre her, als wir da waren.

        Lg Mel

        • Hm, sollte ich wieder nach Hongkong fliegen, werde ich den Dimsums eine neue Chance geben! Vietnam steht noch nicht ganz oben auf meiner Liste, aber Berichte von Freunden haben mich neulich neugierig gemacht. Dann würde ich mir gern ein paar Tipps bei dir holen!

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