Fünf Tage in Hongkong :: Der Mini-Guide für Einsteiger

Ich wühle in meinem überfüllten Kleiderschrank und überlege, was ich ausmisten kann, um Platz zu schaffen. Da fällt mir plötzlich diese „wunderschöne“ Decke in die Hände:
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Ich schüttle den Kopf und frage mich, wie sie überhaupt in meinem Kleiderschrank landen konnte. Dann fällt es mir wieder ein: Auf meinem Flug von Singapur nach Hongkong musste ich sie käuflich erwerben, da die Temperatur an Bord alle Minusrekorde brach. Man hatte das Gefühl, dass nicht Menschen, sondern Tiefkühlkost transportiert wurde. Ich hatte die Wahl zwischen Orange und blau verfärbten Fingernägeln. Nach anfänglichem Zögern bestellte ich die Stewardess mit einer Decke zu mir. Für etwa 10€ wechselte sie in meinen Besitz (die Decke). Schön geht anders, aber nachdem sie meine Körpertemperatur auf akzeptable 34° angehoben hatte, konnte ich sie doch noch ins Herz schließen. Und auch jetzt, wenn ich sie in meinem Kleiderschrank sehe, da wird mir warm ums Herz und ich denke an Hongkong.

Hongkong :: Liebe auf den zweiten Blick

Schon bei meinem ersten Besuch in Hongkong konnte ich mir die Stadt gut als Kulisse für eine spannende Geschichte oder einen Spielfilm vorstellen. Zwar gefiel mir nicht alles, was ich sah, ausnahmslos – zu laut, zu voll und teilweise zu schmutzig war die Luft. Dennoch gab es für meinen kurzen Aufenthalt genug Ablenkung und Beschäftigung, um mich nicht auf die Dinge zu versteifen, die nicht ganz meinen Erwartungen entsprachen. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich nicht wissen, dass ich zwei Jahre später nochmal vorbeischauen und die Stadt viel spannender finden würde. Deswegen konzentrierte ich mich beim ersten Mal als brave Touristin auf die in meinen Augen wichtigsten Sehenswürdigkeiten. So erlebte ich fürs Erste fünf prall gefüllte Tage in der Millionenmetropole. In dieser Zeit konnte ich genügend Eindrücke für diesen Mini-Guide sammeln.

Solltest du einen Kurztrip nach Hongkong planen, findest du in diesem von einer Decke inspirierten Beitrag einen Überblick über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und ihren Fun-Faktor. Getestet und bewerten von The Hiking High Heel und mit selbst ernanntem Qualitätssiegel versehen ;)!

# Victoria Peak & The Peak Tram

Deine erste Station könnte der Lower Terminus der Peak Tram sein (von der MRT Haltestelle Central in Richtung Garden Road laufen).
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Mit der Peak Tram gelangt man auf den Victoria Peak, der zwar nicht der höchste, aber der wohl berühmteste Berg Hongkongs ist.
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Von der Peak-Plattform aus hat man einen sagenhaften Ausblick über Kowloon und weite Teile von Hongkong Island.
Die altertümlich wirkende Tram bezwingt die 1365 Meter in etwa 5-6 Minuten und bewältigt dabei eine Steigung von teilweise 48% (4-27°). Auf dem Weg nach oben fährst du an üppiger Vegetation auf der linken und beeindruckenden Hochhäusern auf der rechten Seite vorbei. Ich habe mir sagen lassen, dass hier wohl die reichsten Bewohner Hongkongs leben.
Die Fahrt mit der Tram kann man sich mit ca. 8,50 € gerade noch leisten. Zwar sieht man die astronomisch teuren Hochhäuser nur von außen, aber dafür könnte es passieren, dass du die sogenannte „Peak Tram illusion“ erlebst: Durch den steilen Aufstieg entsteht das Gefühl, als würden die hohen Gebäude zum Peak „hinfallen“. Ich persönlich fiel der Illusion nicht zum Opfer. Und selbst wenn es dir passieren sollte, nach wenigen Minuten ist der „Spuk“ vorbei und du steigst unter diesem gondelförmigen Gebäude – The Peak Tower – aus:
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Neben Frapuccino aus grünem Tee und roten Bohnen (den du bei Starbucks gegenüber dem Aussichtsturm erwerben kannst) bietet The Victoria Peak noch folgende nennenswerte Attraktionen:

# Die Sky Terrace 428

Das ist die höchste Aussichtsplattform in und über Hongkong, die einen 360°-Panoramablick über die Stadt bietet. Am Ausblick gibt’s nichts zu rütteln – dieser ist ein Must-See! Man muss nicht auf jede Touristenfalle hereinfallen, aber der Victoria Peak muss auf die Tagesordnung! Was mir allerdings ein Ding der Unmöglichkeit zu sein scheint, ist einen klaren blauen Himmel über Hongkong zu erwischen – dafür ist meines Erachtens die Luft in Hongkong viel zu stark vom Smog belastet.
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Dennoch ist es toll von oben den Blick über die pulsierende Stadt und den Hafen schweifen zu lassen! Vor allem bei Nacht ist die leuchtende Skyline ein richtiger Hingucker (kann aber auch vom Hafen aus bewundert werden):
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Trotz Massentourismusalarm vergebe ich 5 Hiking-High-Heel-Sterne ;)!

# Meet Brangelina, Madonna & Co.

Bevor du die Plattform und den Tower verlässt, könntest du dir einen Besuch im Madame Tussauds Museum direkt im Tower gönnen. Neben The Queen, Hitler, George Bush, einigen asiatischen Stars, Hollywood-Schauspielern und weltberühmten Sängern kann man sich auch auf eine Begegnung mit Picasso, Alfred Hitchcock oder Spiderman freuen:
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Wer noch nie in einem Wachsfigurenkabinett war, wird hier sicherlich auf seine Kosten kommen.

Dafür gehen verdiente 3.5 Hiking-High-Heel-Sterne an diese Attraktion.

# Nature Walks

Du kannst nun ganz normal mit der Tram wieder in die Stadt fahren. Oder du kannst die kultivierten Hiking-Pfade rund um den Peak ausprobieren. Links vom Tower starten einige „Wanderpfade“, die von vielen Einheimischen für ihre Joggingrunden genutzt werden:
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Oder von Hundesittern, die die Hunde von reichen Bewohnern Hongkongs spazieren führen:
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Von diesen Wegen aus kannst du im oberen Bereich des Berges auch immer wieder tolle Ausblicke auf Hongkong genießen. Meistens verirren sich hier nicht ganz so viele Touristen.
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Ich habe bereits beide Richtungen zu Fuß ausprobiert: Z. B. hoch über den Old Peak Road. Diese Erfahrung würde ich dir empfehlen, wenn du gerne zu Fuß gehst und dich von Hitze und steilen Wegen nicht abschrecken lässt. Schwer ist der Weg nicht, auch nicht besonders lang. Aber er wird deinen Kreislauf (je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit) ordentlich ankurbeln. Ich habe ca. 3 Liter Wasser durch Schwitzen verloren und regelmäßig die WC-Häuschen aufgesucht, die seitlich am Weg stehen – um den Föhn als temporäre Klimaanlage zu missbrauchen.
Ein Andermal wollte ich zu Fuß vom Peak nach unten laufen. Sehr weit bin ich allerdings nicht gekommen. Schon nach kürzester Zeit zogen dichte Wolken zu und man konnte zusehen, wie schnell sie den Peak in Nebel verhüllten:
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Von der einen Sekunde auf die nächste kam der Himmel wie ein Regenvorhang hinunter. Diesmal war kein Häuschen in Sicht. Ich wurde von zwei Chinesinnen mit nur einem Regenschirm aufgegriffen und wir liefen in inniger Umarmung wieder zum Peak. Allerdings sorgte der Regen dafür, dass das Wasser wadenhoch den steilen Weg hinunterlief. Ich verlor dabei meine Flip-Flops, die ich in einer dramatischen Aktion wieder einfangen konnte, bevor sie für immer weggespült worden wären.
Der Regen hörte pünktlich auf, sobald wir wieder oben waren. Allerdings gab es an mir kein trockenes Fetzchen Stoff mehr. Und so nahm ich die Tram nach unten und verbrachte die kurze Fahrt in einer Dunstwolke.

Somit ist ein Hike durchaus empfehlenswert, aber nur bei gutem Wetter und wenn du zumindest genug Wasser dabei hast – 3 Sterne!

# Mid-Levels Escalators

Eine andere sehr nette Möglichkeit Hongkong zu erkunden sind die Mid-Levels Escalators.
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Es handelt sich dabei um ein System von überdachten außenstehenden Rolltreppen. Diese, gemeinsam betrachtet, gelten als die längste Rolltreppe der Welt. Die Rolltreppen sind z. T. mit Gehbrücken verbunden und werden gelegentlich von kleinen Straßen unterbrochen.
Der Escalator fährt von 6-10 Uhr morgens immer nur hinunter, danach nur hinauf. Parallel dazu verläuft auch ein Fußgängerweg. Täglich werden die Rolltreppen von etwa 60 000 Personen genutzt. Die Fahrt ist kostenlos und dauert etwa 20 Minuten.
Die Rolltreppe startet in the Queen’s Road Central und verläuft durch Soho, ein Wohnviertel, das für seine engen Gassen, Cafés, Bars, Restaurants und sein Nachtleben bekannt ist. Von der Rolltreppe aus kannst du beobachten, was alles in den umliegenden Gebäuden passiert: Wie im 4. Stock Haare geschnitten oder Nägel lackiert werden, Essen zubereitet wird oder Leute Kaffee trinken. Und du kannst dir aussuchen, in welcher Bar du einen netten Cocktail zu dir nehmen möchtest:
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Du kannst die Rolltreppe immer wieder verlassen, den Gehweg nehmen, durch die schmalen Straßen schlendern und den fast europäischen Flair genießen.

Nach unten musst du dann schon wieder deine Beinchen bemühen, aber überall kannst du etwas Neues entdecken, somit ist das nicht wirklich von Nachteil.

Aus meiner Sicht absolut empfehlenswert, daher volle Punktezahl => 5 Sterne!

# Avenue Of Stars

Was The Hollywood Walk of Fame für Los Angeles ist, ist The Avenue of Stars für Hongkong. Hier sieht man die Sterne von berühmten chinesischen Schauspielern, Artisten und Filmemachern, von denen manche es auch zu Weltruhm gebracht haben:
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The Avenue of Stars befindet sich auf der Waterfront Promenade Tsim Sha Tsui. Diese Attraktion (die ich isoliert betrachtet mit 2.5 Sternen bewerten würde) lässt sich wunderbar mit einem Spaziergang entlang der Promenade verbinden, sowie auch sehr gut mit der nächsten Attraktion kombinieren:

# A Symphony of Lights

Bleib am liebsten abends gleich auf der Hafenpromenade von Tsim Sha Tsui, um diese allabendliche Licht-Musik-Lasershow zu erleben. Die Show startet um 20:00 Uhr. Dabei beginnen die Hochhäuser und Gebäude auf beiden Seiten des Hafens abwechselnd im Takt der vorgespielten Musik zu pulsieren und begeistern mit verschiedenen Licht- und Lasereffekten. Am meisten hat mich das Gebäude der Bank of China beeindruckt, das sich auch tagsüber mit seiner eigenwilligen Architektur etwas von dem Rest abhebt:
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Diese Show kannst du von der Promenade aus, oder aber auch auf einem Touristenboot verfolgen. Die Boote haben unterschiedliche „Luxus-Levels“. Die günstigeren sind relativ schnell ausgebucht, weshalb Kurzentschlossene eher ein Ticket für die teureren Schiffe bekommen dürften. In unserem Fall hat das damals (2012) etwa 28€ gekostet, wobei alle Getränke während der Bootsfahrt inklusive waren. Das ist zwar ein Trost, dennoch sollst du berücksichtigen, dass die Fahrt nur etwas länger als eine Stunde dauert. In dieser Zeit kannst du gar nicht so viel trinken, dass sich der Preis wirklich lohnt. Das Ergebnis war, dass meine Begleitung drei Bier geschafft hatte und danach sehr angeheitert war. Die asiatischen Touristen waren fast alle bereits nach einem alkoholischen Getränk betrunken. Viele davon sind dann schnell eingeschlafen und haben somit die Lasershow komplett verpasst.
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Aus diesen Gründen empfehle ich dir, nicht zwangsläufig ein Bootsticket zu kaufen, sondern die Show von der Promenade aus mit anzusehen – kostet nichts und ist nahezu genauso gut – 4.5 Sterne!

# Tian Tan Buddha und der Pfad der Weisheit

Er ist 34 Meter hoch, er ist aus Bronze und er ist eine der größten freistehenden Buddha-Statuen in China – der Tian Tan oder Big Buddha auf der Insel Lantau.
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Die Statue sitzt auf einem Lotusthron, zu dem eine Treppe mit 268 Stufen hinaufsteigt.
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Um den Buddha herum sind 12 kleinere Bronzestatuen aufgestellt, die den Buddha preisen und ihm verschiedene Geschenke darreichen:
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Der Besuch der Statue ist kostenlos, für die Ausstellungshallen unterhalb wird eine Eintrittsgebühr von 60 HKD erhoben (ca. 6-7€).
Lantau Island und Big Buddha kannst du per Bus, Bahn oder Fähre erreichen. Die wohl schönste Möglichkeit ist aber, die Seilbahn Ngong Ping 360 zu nehmen, die über naturbelassene Berglandschaften fährt. Schon während der Fahrt kann man die riesige Statue auf dem Hügel sehen. Die Seilbahn kannst du in der Nähe der Tung Chung Station der MRT (U-Bahn) nehmen.
Den Besuch des Big Buddha kannst du zu einer kleinen Hiking-Route auf dem Pfad der Weisheit (Path of Wisdom) ausdehnen. Dieser befindet sich auf den umliegenden Hügeln (durch das Touristendorf laufen und den Schildern folgen) und ist nur einen kurzen Spaziergang von dem Po Lin Kloster und der Buddha Statue entfernt. Es handelt sich dabei um 38 aufgestellte Pfeilern aus Holz, die mit Gebetsversen verziert sind:
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Auf diesem Pfad kannst du immer wieder einen schönen Ausblick aufs Meer genießen und womöglich erste Wandererfahrungen in der Gegend sammeln:
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Dieser Ausflug bekommt von mir ganze 4 Sterne!

# Sik Sik Yuen Wong Tai Sin Tempel

Das ist der größte Tempel in Hongkong. Vor dem Eingang werden dir schöne Statuen der 12 chinesischen Tierzeichen begegnen. Ich dokumentiere für mich fotografisch mein Tierzeichen – das Pferd:
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Die Tempelanlage ist sehr großzügig angelegt, reichlich mit goldenen Ornamenten und Verzierungen geschmückt und gut besucht – überall duftet es nach Räucherstäbchen:
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# Nan Lian Garten

Umgeben von den Hochhäusern auf dem Diamond Hill erstreckt sich diese kunstvoll angelegte ruhige Gartenanlage über eine Fläche von ca. 3.5 Hektar.
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Alle Pflanzen, Felsen, Teiche, Gewässer und Gebäude sind sorgsam gestaltet/ausgesucht und aufeinander abgestimmt.
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Die entspannende Atmosphäre im Park steht im deutlichen Kontrast zu den Wolkenkratzern im Hintergrund:
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Der Park ist öffentlich und bietet immer wieder Ausstellungen zu unterschiedlichen Themen im Zusammenhang mit der chinesischen Kultur und Architektur.

Gemeinsam mit dem Wong Tai Sin Tempel kommt der Nan Lian Garten auf verdiente 4 Sterne!

Ich schätze, dass du mit diesem Programm 3-5 Tage in Hongkong verbringen könntest, ohne dass dir langweilig wird. Solltest du einen längeren Aufenthalt planen, dann bleib dran:

Demnächst gibt es weitere Reiseberichte mit Tipps über Hongkong!

s. auch

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4 Antworten

  1. leonieloewin sagt:

    Tolle Fotos, interessanter Bericht…danke fürs Mitnehmen.

  2. Oli sagt:

    Hongkong finde ich eine unglaublich schöne Stadt. Für mich nach Tokyo die geilste Metropole in Asien. 🙂

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