The Hiking Cavewoman :: Reisetipps bei schlechtem Wetter

Nyama nishto po-hubavo ot loshoto vreme / There is Nothing Finer than Bad Weather nannte der bulgarische Schriftsteller Bogomil Rainov einen seiner Romane. Zwar geht es darin um Geheimagenten und Spionage, aber dieser Titel fällt mir jedes Mal ein, wenn mich auf Reisen schlechtes Wetter überrascht.

Vor allem im Wander- oder Kletterurlaub kann schlechtes Wetter zu einer wahren Spaßbremse werden. In den Bergen oder im Wald gibt es in der Regel keine Möglichkeit, sich die Zeit mit „Schoppingen“, Kino, Museumsbesuchen oder sonstigen Nicht-Outdoor-Aktivitäten zu vertreiben. Man muss also improvisieren. Eine ausgezeichnete Alternative in solchen Situationen ist z. B. der Besuch einer Höhle.

So habe ich es schlechtem Wetter zu verdanken, dass ich einige sehr schöne Höhlen besichtigt habe. Diese möchte ich dir heute vorstellen. Sollte es dich in diese Reiseecken verschlagen, kannst du diese Tipps natürlich auch beim besten Sonnenwetter ausprobieren. Denn Höhlen sind in dieser Hinsicht in der Regel „allzeit bereit“.

Es geht loooos mit …

# La Cueva del Viento auf Teneriffa

LaCuevaDelViento

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Über die Höhle des Windes habe ich bereits hier in den Anfängen dieses Blogs berichtet. Der Besuch der Höhle allein ist schon mal wert. Parallel dazu brachte der Tag einige weitere Highlights, deren ich mich bis heute erfreue, wenn ich zurückblicke:

    • Die steile Auffahrt zur Höhle war für unseren schmächtigen Opel bereits ziemlich abenteuerlich.
    • In dieser Höhle wird der beste Barraquito auf Teneriffa serviert!
    • Ich weiß nun, dass die kanarische Kiefer nahezu feuerresistent ist! Als ich die verkohlte Rinde der Bäume sah, war ich fasziniert von ihrer Widerstandskraft.
    • Ich habe von anderen Besuchern der Höhle ein paar geile Geocaching-Tipps für Lost Places auf Teneriffa bekommen.
    • Ich habe im Anschluss den El Drago (800-1000 Jahre alt) gesehen.

El Drago Teneriffe

  • Und nicht zuletzt war ich in der längsten Vulkanröhre der EU ;).

Von einem regnerischen Tag kann man ungefähr 100% weniger erwarten, oder?!

# Via Ferrata und Tunnel Lagazuoi

Meine erste richtige Klettersteigerfahrung in den Dolomiten startete mit Nebel und Regen in der Nähe von Cortina d’Ampezzo (hier noch bei besseren Wetterverhältnissen aufgenommen):
Cortina d'Ampezzo
Es schifft und schifft und die Wolken hängen tief über Cortina. Betrübt suche ich im Internet nach einer Alternative, was man in der Gegend alles machen könnte, wenn es regnet. Dann fällt der Name Lagazuoi – ein zweigipfeliger Berg in der Fanesgruppe. Schnell das Klettersteigbuch konsultieren und die Route steht fest: Der Klettersteig (oder vielmehr der Zustieg) zum kleinen Lagazuoi auf 2778 m startet etwa 12 km von Cortina entfernt – am Falzarego Pass.

Bei unserer Ankunft am Fuße des Berges (wo sich auch die Seilbahnstation befindet) spielt das Wetter verrückt: Es kann sich nicht zwischen Regen und Sonnenschein entscheiden.
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Da es gerade nicht mehr nieselt, fällt die Entscheidung zwischen Seilbahn und Klettersteig zu Gunsten des Klettersteigs aus. Nach etwa einer halben Stunde Aufstieg gibt uns der Himmel Anlass zu berechtigtem Zweifel, ob diese Entscheidung richtig war – es zieht so zu, dass man weder das Tal noch den Gipfel sehen kann.
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Wir hadern mit uns – es wäre vernünftiger, umzukehren. Aber ich will nicht. Eisiger Wind prallt von meiner Jacke ab (Gott sei Dank ist diese winddicht!) und besprenkelt mein Gesicht mit winzigen Regentropfen. Ich will immer noch nicht. Ich sage nur „Lass uns doch nur noch bis daaaahin laufen und wenn es dann nicht besser wird, kehren wir um. OK?“

Diese Prozedur lässt meine Begleitung genau dreimal über sich ergehen. Und bevor ein Machtwort gesprochen wird, werden wir plötzlich mit einem wunderschönen Blick ins Tal belohnt:

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Der Klettersteig, der dann folgt, ist angenehm leicht und interessant – er führt über eine Hängebrücke, kleine Wasserfälle und an Kriegsstollen vorbei.

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Auf dem Gipfel sieht es wieder weniger einladend aus. Aber so sind sie die Berge – launisch – mal freundlich, mal unnahbar …

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Im Rifugio Lagazuoi ist eine kleine Stärkung fällig.

Dann geht es wieder nach unten – diesmal über den Lagazuoi-Felstunnel:

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Es ist mühsam, über die hohen und ungleichmäßigen Stufen hinunterzusteigen. Aber dann sieht man Öffnungen im Felsen aus dem Ersten Weltkrieg, die zeigen, unter welchen Bedingungen die Soldaten hier ausharren mussten. Es ist schwer vorstellbar, wie Versorgung und Transport von Verwundeten damals abgelaufen sein mussten. Vor allem im Winter. Bei diesem Gedanken vergeht jeder Anflug von Schwäche augenblicklich.

Hier brauchst du auf jeden Fall eine Stirn- oder Taschenlampe und wärmere Kleidung. Es ist dunkel, kühl, feucht und rutschig. Der Tunnel ist ca. 2.6 km lang und es dauert ca. 2 Stunden wieder unten anzukommen.
Während wir im Tunnel waren, hat es draußen ordentlich geregnet. Wir freuen uns über das perfekte Timing und fahren abschließend nach Misurina. Hier halten sich die Pizzapreise im Vergleich zu Cortina noch in Grenzen.

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Solltest du wirklich ganz schlechtes Wetter erwischen, kannst du natürlich mit der Seilbahn nach oben fahren und im Tunnel zu Fuß wieder hinuntersteigen. Oder für mehr Sportgeist – die Route genau umgekehrt machen.

# Mallorca :: Die Höhle bei Artà

Mallorca überrascht uns selbst Mitte November mit wunderbarem Wanderwetter. Es regnet jeden Tag und das kräftig, wie man an diesem Bild deutlich erkennen kann:

Mallorca Arta

Aber sobald wir unsere Nasen hinausstrecken, meint es das Wetter gleich gut mit uns. Das hindert uns natürlich nicht, über einen Besuch der Cuevas del Drach – die Drachenhöhlen – nachzudenken. Eine kurze Recherche wirft aber einen leichten Schatten auf diese Idee: Wir lesen, dass diese vor allem im Sommer sehr überfüllt sind und die Touristen in großen Scharen eingepfercht in kurzen zeitlichen Abständen durch die Höhle „gejagt“ werden. Die Rezensionen bestätigen zwar die Schönheit der Drachenhöhlen, jedoch scheint der Massentourismus hier den Spaßfaktor deutlich zu dämmen. Und dann empfiehlt ein enttäuschter Mallorca-Besucher die Höhlen bei Artà (in der Nähe von Capdepera).

Obwohl die Wetterbedingungen an diesem Tag überaus outdoortauglich sind, fahren wir zuerst die wenigen Kilometer von Artà zum Cap Vermell, bevor wir später zu einer Küstenwanderung aufbrechen.

Cueva de Arta Capdepera

Cueva de Arta Capdepera

In der Höhle bei Artà genießen wir eine „Führung für zwei“ – gerade in der Nebensaison scheint sich hier kaum ein Tourist zu verirren.

Besondere Highlights der Höhle sind Formationen, wie z. B.

die Säulenkönigin mit einer Höhe von 22 Metern:

Cueva de Arta Capdepera

Die Guillotine:

Cueva de Arta Capdepera

Die Orgel:

Cueva de Arta Capdepera

Die Höhle besteht aus vielen Sälen, ist sehr verwinkelt und erinnert an ein verwunschenes Märchenschloss – grotesk und wunderschön zugleich.

Cueva de Arta Capdepera

Cueva de Arta Capdepera

Cueva de Arta Capdepera

Wieder draußen kannst du einen schönen Ausblick über Cap Vermell und Canyamel genießen:

Cap Vermell, Mallorca

Cap Vermell Canyamel Mallorca

Cap Vermell Canyamel Mallorca

# Die Höhlen bei Alistrati und Aggitis

Über diese zwei Schönheiten habe ich bereits in einem früheren Beitrag berichtet. Damals sagte ich, dass ich keine schönere Höhle, als die von Alistrati gesehen hätte. Nun teilt sich diese das Siegestreppchen mit der Höhle von Artà.

Dennoch, während allein der Aufgang zur Artà-Höhle sehr beeindruckend ist, erinnert die Höhle bei Alistrati an einen Diamanten im Stroh – die Landschaft um die Höhle herum ist so langweilig und unauffällig, dass man dort niemals so etwas Schönes vermuten würde.

Die „Führung für zwei“ ist auch hier inklusive – die Reiseführerin spricht sehr gut Deutsch und hat sogar eine Weile in Deutschland gelebt. Genau genommen „öffnet“ die Höhle ihre Pforten kurz vor Betriebsschluss extra nur für uns. Kann man sich denn ein exklusiveres Urlaubsende in der Einöde vorstellen? Wie ich gerade sagte – wie ein Diamant im Stroh…

Fazit: Sicherlich habe ich den Weltvorrat an schönen Höhlen noch nicht ausgeschöpft, aber nun weiß ich, wonach ich suchen soll, wenn der Himmel mehr Drama als Sonnenschein verspricht. Und manchmal ist es doch wahr: Es gibt nichts Schöneres als schlechtes Wetter …

Mallorca Drama Sky

Weitere Informationen:

www.cuevadelviento.net

Lagazuoi

Cuevas de Artà

www.cuevasdearta.com

www.alistraticave.gr

www.spilaioaggiti.gr

Lagazuoi Seilbahn

Klettersteigführer Dolomiten-Südtirol-Gardasee

 

 

 

 

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