La Palma exklusiv :: Barranco de la Madera

Die Stimmen der kläffenden Hunde verstummen langsam. Mit jedem weiteren Schritt umgibt uns der duftende Kiefernwald mehr und mehr.

Noch ist der Weg breit und gemütlich. Dennoch behauptet mein Wanderführer, dass uns flotte 700 Höhenmeter Unterschied bevorstehen. Ein bisschen skeptisch bin ich schon, wie sich mein „kaktusgeschädigter“ Fußknöchel dabei machen wird. Es sind gerade mal 12 Stunden seit meinem Aufenthalt in der Notaufnahme vergangen. Zu dem Zeitpunkt konnte nicht einmal von „Gehen“ oder „Laufen“ die Rede sein. Mit einer Tablette Ibuprofen merke ich nur ein leichtes Ziehen, das mich zurzeit nicht weiter stört. Also laufe ich weiter – komme, was wolle. Jammern könnte ich später immer noch.

Langsam verändert sich die Landschaft – die Felsen werden höher und steiler. Der Weg verliert zunehmend an Breite. Mal verläuft er quer über grüne Wiesen, mal windet er sich am Felsen entlang.

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Jegliche Zivilisationsgeräusche sind verschwunden. Nur die Vögel singen und ihr Echo schwingt kristallklar durch die wildromantische Schlucht. Wasser plätschert in dem Kanal, der uns fast ausnahmslos über den gesamten Wanderweg hindurch begleitet. Die Sonne scheint hoch über den Felsen, aber wir laufen noch auf der schattigen linken Seite des Bachbettes. Licht und Schatten wechseln sich ab und der Weg wird immer interessanter.

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Nun stehen wir vor einem imposanten Felsvorsprung:

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Himmelhoch ragt das Felsmassiv und fällt auf der rechten Seite steil ab. Von weitem erinnert unser Wanderweg an eine Ritze quer im Gestein. Wenn man größer ist, muss man sich hier teilweise ducken, um vor allem durch die letzte Passage zu kommen. Ich möchte mir nicht ausmalen, was passieren würde, wenn die Felsdecke über unseren Köpfen nachgeben würde. Fraglich ist auch, ob der Weg in den Fels gehauen worden oder einer geologischen Besonderheit im Gestein zu verdanken ist. Nicht der beste Ort länger darüber nachzudenken.

Nachdem wir ein kleines Felstor passieren, wechselt der Weg auf die rechte Seite der Schlucht. Nun sehen wir das hohe Felsmassiv noch besser. Ab hier wird der Wanderpfad etwas abschüssiger. Endlich kommen die Wanderstöcke sinnvoll zum Einsatz.

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Immer wieder halten wir an, um uns umzuschauen. Stille.
Ich muss ausnahmsweise über einen Witz von Mr. Partus lachen. Lautes Gelächter antwortet mir von allen Seiten. Ich muss nur etwas lauter sprechen, schon unterhalten sich die Felswände fröhlich hallend mit meiner zarten Stimme. Kreischend testen wir das Echo in allen Variationen, bis ein paar Vöglein empört aus ihren Nestern fallen.

Die Hälfte des Weges liegt schon hinter uns und wird von einem etwa 30 m hohen Katarakt markiert: Ein einstiger Wasserfall. Ab hier setzt sich der Weg durch den Tunnel fort, dessen „Fensteröffnungen“ wird vorhin im Felsen gesehen haben. Gelegentlich bräuchte man hier eine Taschen- oder Stirnlampe, aber das Handy reicht auch aus.

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Nun laufen wir im Inneren des Felsens. Unser ursprünglicher Weg dürfte sich unter uns befinden. Trotz der Höhenmeter zeigt uns die Richtung des strömenden Wassers eindeutig, dass der Abstieg bereits begonnen hat. Abgelenkt von dem abwechslungsreichen Wanderweg habe ich die Steigung davor aber kaum wahrgenommen.

Irgendwann verlassen wir den Tunnel und suchen uns in luftiger Höhe ein Plätzchen für eine kleine Pause.

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Oben auf dem Felsweg scheint die Sonne angenehm warm und an dieser Stelle eröffnet sich eine Aussicht bis zum verschneiten Gipfel des Teide auf Teneriffa! Nostalgisch denke ich an die geilen Wanderungen auf Teneriffa zurück und langsam aber sicher reift ein Plan in meinem Kopf: Es gelüstet mir eindeutig nach einem Inselhopping auf den kanarischen Inseln … Einfach morgen die Fähre nehmen und eine der benachbarten Inseln – La Gomera, El Hierro oder Teneriffa – unsicher machen.

Noch scheint mir die Erfüllung dieses Gedankens weit in der Zukunft und aus zeitlichen Gründen fast unrealistisch. Aber wer weiß das schon …  Vor etwas mehr als einem Jahr stand ich genau auf der anderen Seite, nämlich am Fuße des Vulkans und habe meinen Geburtstag zelebriert. Da war La Palma noch gar nicht auf meinem Wanderradar erschienen.

Und heute? Heute genieße ich mein vom Frühstücksbuffet stibitztes Croissant mit direktem Ausblick auf den Teide. Ein weiteres Highlight fällt mir erst jetzt bewusst auf: Während der gesamten Wanderung ist uns keine einzige Menschenseele begegnet …

Ein wildromantisches Tal nur für uns!

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Durch sonnige Kiefernwälder geht es nun weiter nach unten. Weich wie ein Teppich fühlt sich der Pfad unter unseren Füßen an – knisternde Nadeln dämpfen schonend die Schritte. In der Ferne schimmern die Häuser von Santa Cruz und der Ozean:

LaPalma_BarrancoDeLaMadera-9Nach einer Lichtung erreichen wir den Parkplatz hinter der Kirche Santuario de la Nuestra Señora de Las Nieves. Hier gönnen wir uns ein wohlverdientes Eis und schmieden schon die nächsten Wanderpläne – nach dem heutigen Auftakt wollen wir nur noch mehr…

Sehr zu empfehlen: Wanderführer La Palma mit GPS Koordinaten zum Herunterladen

Warst du schon mal auf La Palma? Welche Wanderung hat dich am meisten beeindruckt?

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