Best of Südafrika :: Zum Kap der Guten Hoffnung und zurück

Kapstadt, Juni 2005…

Unser Mietauto ist knallrot. „Unauffälliger“ geht es kaum. Und das in einem Land, in dem man nicht unbedingt die Blicke auf sich ziehen möchte.

Südafrika Kapstadt Zwölf Apostel

Immerhin soll die Kriminalität in Südafrika – milde ausgedrückt – hoch sein. Aber selbst für den Fall, dass sich keiner um den „bunten Hund“ schert, haben wir andere ungewollte Tricks auf Lager, damit wir nicht unbemerkt bleiben: Es herrscht Rechtsverkehr und alles im Auto ist spiegelverkehrt angeordnet. Also muss Mr Snyder erst einmal etwas üben, bevor es „ruckellos“ weitergeht. Das macht er natürlich vorzugsweise direkt auf der Autobahn. Aufgrund unserer Fahrweise werden wir nach wenigen Minuten von den anderen Verkehrsteilnehmern „zusammengehupt“. Langsam dämmert’s uns, dass auch die Bedeutung der Spuren hier andersrum sein müsste: rechte Spur=schnelle Spur, linke Spur=langsame Spur. Macht auch Sinn. Schließlich sind die Ausfahrten auch alle links.

Wir nehmen ausnahmsweise die richtige und gratulieren uns zu unserer fast nahtlosen Integration in die neue Umgebung. Unser Stolz währt nicht lange: Nach nur wenigen Minuten biegt Mr Snyder wie gewohnt ab und prompt landen wir als Falschfahrer auf einer vierspurigen Straße mit Gegenverkehr. Wie zwei Rehe im Lichtkegel sehen wir zu, wie ein Auto-Geschwader auf uns zurast. Ein denkwürdiges Manöver und ein paar Schreie später sind wir wieder auf Kurs.

So begann vor 10 Jahren ein Urlaub, der an kuriosen Erlebnissen nicht reicher hätte sein können.

Südafrika Kapstadt Tafelberg

Völlig unvorbereitet steigen wir in den Flieger, um einen Kommilitonen in Pretoria zu besuchen. Mein Koffer – voll mit Sommersachen. Schließlich fliegen wir ja nach SÜDafrika… Jaja, peinlich, peinlich, aber wahr. Denn im Juni haben wir in Südafrika bekanntlich Winter. Nicht dass wir das nicht wissen. Aber wir nehmen an, dass es „sooo kalt schon nicht werden würde“.

Das man mit „Winter“ wirklich „Winter“ meint, wird uns erst auf dem Tafelberg bei etwa 3° C klar. So schnell können wir gar nicht gucken, wie der Nebel durchkriecht und jegliche Sicht auf Kapstadt verschlingt. Mit steifen Fingern kann ich ein paar Bilder schießen.

Südafrika Kapstadt Tafelberg

Südafrika Kapstadt

Südafrika Kapstadt

Auch während unserer Küstenfahrten auf dem Chapman’s Peak und an den zwölf Aposteln vorbei, überrascht uns das schlechte Wetter gelegentlich. Kurz darauf scheint aber die Sonne wieder. Meistens ist es tagsüber um die 20° C, während nachts die Temperaturen auf 2-3° C sinken.

Südafrika Kapstadt Chapman's peak

Kälte hin oder her, nichts kann uns in unserem jugendlichen Leichtsinn aufhalten. Wenn wir „schon mal in der Gegend sind“, beschließen wir ein paar Tage später zum Kap der Guten Hoffnung zu fahren.

Auch hier ist es nicht zu warm, wie man an der Wintermütze (die ich in Kapstadt kaufen musste) erkennen kann.
Unspektakulär fährt man zuerst durch flache und eintönige Landschaft. Ein einsamer Strauß irrt umher.

Südafrika Kap der Guten Hoffnung

Irgendwann sehen wir das Meer am Horizont – unruhig und bedrohlich brechen die Wellen und fördern Erstaunliches ans Tageslicht: „Meereslianen“, so dick und fest, dass sie beinahe nicht natürlichen Ursprungs sein können:

Südafrika Kap der Guten Hoffnung

Südafrika Kap der Guten Hoffnung

Kurz darauf erreichen wir es – das Kap der Guten Hoffnung.

Südafrika Kap der Guten Hoffnung

Mindestens 23 Schiffe sollen hier aufgrund von starkem Wind und gefährlicher Strömung ihr Ende in den Unterwasserfelsen gefunden haben.

Ein kleiner Wanderweg zu Cape Point beginnt hinter dem berühmten Schild und schlängelt sich durch eindrucksvolle Landschaft empor.

Südafrika Kap der Guten Hoffnung

Südafrika Kap der Guten Hoffnung

Südafrika Kap der Guten Hoffnung

Südafrika Kap der Guten Hoffnung

Südafrika Kap der Guten Hoffnung Cape Point

Auf Cape Point angekommen geht die Aussicht unter die Haut.

Südafrika Kap der Guten Hoffnung Cape Point

Wo die zwei Weltmeere – der Atlantik und der Indische Ozean – aufeinander treffen, ist im Meer deutlich zu erkennen. Als ob sich dort eine Trennlinie aus weißer Gischt gebildet hätte: Rechts davon tobt der Atlantik wild und rau, links davon ruht der Indische Ozean in sich, im Hintergrund in Nebel getauchte Bergmassive.

Südafrika Kap der Guten Hoffnung

Südafrika Cape Point

Ich weiß nicht, ob es immer so ist. Aber an dem Tag war es so.
Und dafür fällt mir bis heute nur ein Wort ein: Magisch…

In Johannesburg/Pretoria erfreuten wir uns wieder etwas milderer Temperaturen. Hier steigen wir von einem knallroten auf ein knallblaues Auto um. Mit zwei Kumpels fahren wir in Richtung Krugerpark und Mpumalanga. Was auf diesen Touren alles passiert, kann man nicht mehr in drei Sätzen zusammenfassen – hautnah erleben wir Elefanten und Giraffen, die auf wenigen Metern Entfernung unseren Weg kreuzen (oder wenn wir ehrlich sind, kreuzen WIR ihren Weg…). Spielende Baby-Nilpferde verzaubern uns im Fluss und auch ein kleines Intermezzo mit der swasiländischen Grenzpolizei ist drin.

Südafrika Kruger National Park

Südafrika Kruger National Park

Südafrika Kruger National Park

Südafrika Kruger National Park

Vorher: Man beachte das stehende Nilpferd…

Südafrika Kruger National Park

Nachher: 2 Stunden später… Ist es echt oder „installiert“?!

Dennoch, wenn wir eine Auswahl treffen müssten – unsere witzigsten Begegnungen haben wir im Zulu-Land und Durban:

Als wir unser Hostel in Durban endlich finden und dort einchecken wollen, werden wir an der Rezeption von keinem geringeren empfangen als… von Holger aus Althengstett. Den Holger musst du natürlich nicht kennen. Und Althengstett ist auch nicht das Zentrum des Universums.
Aaaber, es ist nur ein paar kleine Ortschaften vom Geburtsort von Mr Snyder entfernt. Im Laufe des Gesprächs, das selbstverständlich auf Urschwäbisch stattfindet, wird plötzlich klar, dass Holger und Mr Snyder nahezu gute alte Freunde sind. In der Heimat haben sie einen gemeinsamen Freundeskreis. Holger sei sogar der Ex-Freund von der besten Freundin von Mr Snyder… Was soll man dazu sagen: 10 000 km von zu Hause entfernt, in einem Hostel am Indischen Ozean, „schwätzt ma uf Schwäbisch“ und schwelgt in Erinnerungen über gemeinsame Bekannte… Also, bass uf, die Welt isch kloi…

Auch wenn die schwäbische Begegnung unsere Herzen erwärmt, zieht es uns bald weiter nach Eshowe. Unser Besuch im Zulu-Land beginnt gleich mit einigen Höhepunkten:
Wir fahren zu einem authentischen Zulu-Dorf und absolvieren eine Sprechstunde mit einem waschechten Schamanen.

Südafrika Eshowe Zulu

Südafrika Eshowe Zulu

Während zwei der Gruppe sich vom ihm die Zukunft voraussagen lassen, sehe ich mich gezwungen, irdischeren Bedürfnissen nachzugehen: Ich muss mal für kleine Hiking High Heels. Die einzige öffentliche Toilette steht in Form eines Verschlags hinter dem Dorf-Supermarkt. Eine fröhliche Mama zeigt mir freundlicherweise den Weg: Sie nimmt mich an die Hand und führt mich höchstpersönlich hin.

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Als ich die quietschende Tür aufmache, steigt mir ein schwarzer Schwarm Fliegen entgegen. Darunter entdecke ich eine Art Sitz mit einem Loch in der Mitte. Wenn man die Tür hinter sich zuzieht, steht man in der Dunkelheit: Nur Du, die Fliegen und der Duft… Ein Traum.

Das kann mich nicht sonderlich schocken, schließlich kenne ich das aus manchen Dörfern in Bulgarien. Dennoch muss ich mir nichts beweisen.

Also schleiche ich mich unauffällig heraus und verstecke mich hinter dem Verschlag. Ich muss zuerst ein paar neugierige Hühner verjagen, um mein Territorium vorübergehend abzustecken. Die allerdings gleich wieder zurückkommen, sobald man hilflos im Gebüsch hockt. Ach, was soll’s. Es sind nur Hühner, die mich mit wahnsinnigen Augen anstarren.

Plötzlich höre ich ein lautes Plätschern. Langsam und ohne große Lust drehe ich meinen Kopf in Richtung des Geräuschs. Und da feiern wir gleich ein Wiedersehen – die süße, rundliche Dame von vorhin – hockt im Nachbargebüsch und grinst mich mit breitem Lächeln an. Wir lachen. Zwischen ihren vorderen Zähnen klafft eine Zahnlücke – so breit, dass man einen Doppel-Keks da durchziehen kann. Für alles andere gibt’s die Visa-Karte. Aber hier so gemeinsam im afrikanischen Outback Pipi machen und uns angrinsen – unbezahlbar…
Gut gelaunt schlagen wir auch den Rückweg gemeinsam an – so was verbindet schließlich…

Anschließend machen wir lustige Aufnahmen mit ein paar Kindern, die unbedingt fotografiert werden wollen, um sich die Bilder dann auf der Kamera anzusehen. Bei dieser „einmaligen“ Gelegenheit darf selbst „Hundi“ nicht schludern: Jeder gibt beim Posieren sein Bestes.

Südafrika Eshowe Zulu

Im Zulu-Land begegnen uns noch einige andere spannende Gestalten, über die du in diesem Artikel mehr erfahren kannst. Um die Überraschung nicht zu verderben, sage ich nur zwei Worte:„Gasflaschen“ und „Hochsicherheitstrakt“.

Wenn du den Artikel gelesen hast, weißt du auch, wem dieses einmalige Auto gehört, das uns vom Dorf wieder abgeholt hat. Nur am Rande erwähnt: Als wir im Dorf abgeliefert wurden, war der hintere Scheinwerfer noch intakt…

Südafrika Eshowe Zulu

Zwei Wochen und 4500 km später müssen wir leider auch wieder zurück nach Hause. Einer von uns, Mr Snyder, hat sogar noch etwas länger was von der Reise: Kurz nach unserer Rückkehr zwingt ihn eine seltsame Erkrankung mit 40° Fieber in die Knie. Als sein letzter Aufenthaltsort erwähnt wird, wird er auf direktem Wege in die Tropenklinik nach Tübingen geschickt. Dort attestieren ihm die Ärzte ein „tropisches Zeckenbiss-Fieber“.
Dieses Mitbringsel muss er sich wohl im „Wartezimmer“ des Schamanen eingefangen haben. Ich dagegen, komme trotz intensiverem Aufenthalt im Gebüsch ohne jegliche Ansteckungen davon. Zum Glück ist Mr Snyder wenig später vollständig genesen, so dass uns auch nach 10 Jahren nur die schönsten Erinnerungen von dieser Reise bleiben: Manchmal stressig, manchmal strapaziös und nervig. Und dennoch eine der besten.

Deswegen sage ich (mir) immer:

Gräme dich nicht. Sondern reise. Lieber. Ungewöhnlich.
Denn, „wer eine Reise tut, so kann er was erzählen„. (Matthias Claudius)

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Weitere Infos:
Kap der Guten Hoffnung
Die zwölf Apostel Kapstadt
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Wandern in Südafrika
Faszinierende Bilder aus Südafrika

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4 Antworten

  1. Das war ja ein aufregender „Sommerurlaub“ am Cap.
    Ob das Nilpferd da immernoch steht. Vielleicht ist es aus Plastik, damit für die Touris immer eins da ist.
    Und deine Plätscher Story war ja echt ganz spannend.
    Viele Grüsse.

    • Das war in der Tat so aufregend, dass ich mich auch 10 Jahre später sehr gut an alles erinnern kann (wie man an der Plätscherstory auch erkennen kann 😉 )!
      Und an Nilpferden hat es im Krugerpark nicht gefehlt :D. Sie sollten eher eine Raubkatze für die Touristen hinstellen, damals haben wir leider keine gesehen… Viele Grüße

  2. Anna sagt:

    Deine Bilder laden wirklich zum Träumen ein. Südafrika möchte ich auch unbedingt noch mal besuchen. Schöner Artikel!

    Herzlich,
    Anna

    • Hallo Anna,

      vielen lieben Dank! Die Bilder sind schon 10 Jahre alt, und mich zieht es auch wieder hin. Ich hoffe, dass die Landschaften nichts an Schönheit eingebüßt haben, trotz des Tourismus…

      Viele Grüße, Dobrena

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