Stuttgart im Test :: Kochen nach Maß mit „Deine Rezeptgalerie“

Kennst du das: Du möchtest etwas kochen und stellst dir eine Liste der Zutaten zusammen, die du für das Rezept brauchst. Oft benötigst du Zutaten, die du entweder gar nicht da oder nicht in der richtigen Menge hast. Dann wird schnell der 36 Monate gereifte Parmesan gekauft, um nur 30 Gramm davon über die Pasta zu streuen. Oder du kaufst 6 Bio-Eier, von denen du nur 2 verbrauchen würdest. Der Rest, sofern du ihn nicht zeitnah verbrauchen kannst, liegt dann im Kühlschrank herum, bis er irgendwann ein Eigenleben zu führen beginnt. Und dann wandert einiges davon in den Müll.

Mir geht es jedenfalls so.

  • Ich stelle fest, ich habe einen mega Hunger.
  • Ich stelle fest, der Kühlschrank gibt nichts her.
  • Ich gehe hungrig einkaufen und es wird oft viel zu viel eingekauft und dann weggeworfen.

Deshalb wurde ich neugierig, als ich das erste Mal von dem Konzept von „Deine Rezeptgalerie“ lese:

  • Rezept aus dem aktuellen Angebot aussuchen,
  • alle Zutaten in der benötigten Menge für 2, 4 oder 6 Personen passend zum Rezept mitnehmen,
  • nach der beiliegenden Anleitung das Rezept zu Hause nachkochen.

Die Kosten pro Portion liegen je nach Gericht bei ca. 4-12 € pro Person. Diese scheinen mir am Anfang etwas zu hoch, denn normalerweise bekommt man in einem einfachen Lokal schon ein Mittagsgericht für 6-7€, das bereits fertig zubereitet ist.

Dennoch beschließe ich diese Dienstleistung auszuprobieren – als ich neulich im Stuttgarter Westen weile, statte ich dem Laden einen Testbesuch ab.
Das erste, was mir auffällt – die Tür scheint abgeschlossen, obwohl ich innerhalb der angegebenen Öffnungszeiten davor stehe. Ich probiere es 2-3 Mal und überlege dann, ob ich nicht schon wieder gehen soll. Dann sehe ich einen Herrn, der mit etwas Mannpower es doch schafft, in den Laden „einzudringen“. Bevor die Tür ins Schloss fällt, springe ich schnell hinterher und komme auch rein. Es stellt sich heraus, die Tür würde klemmen.
Nach kurzem Überlegen entscheide ich mich für das Rezept „Hirsotto“ – ein „Risotto“ mit Hirse. Kosten für zwei Personen 12,20€.
Zu Hause angekommen packe ich meine Schätze aus und mache mich ans Kochen:

Stuttgart Test Deine Rezeptgalerie

Auch wenn ich sonst oft ein Kochmuffel bin, habe ich nun richtig Bock aufs Kochen: Die Zutaten sind alle super frisch und liebevoll verpackt – ich habe das Gefühl, als würde ich ein absolutes Gourmetgericht zubereiten.

Ich gehöre zu den Menschen, die allein für die Zubereitung einer Tasse Tee viiieeeel Arbeitsfläche benötigen. Dementsprechend sieht es bei mir aus, wenn ich etwas koche, das aufwendiger ist als Tee. Jaja, selbst wenn jemand schon alles im Voraus ausgesucht und portioniert hat und ich nur die Zutaten in der richtigen Reihenfolge verarbeiten muss, könnte es vorkommen, dass es bei mir in der Küche wie bei Hempels unterm Sofa aussieht. Aus diesen Gründen erspare ich dir Bilder von den einzelnen Kochschritten.

Ich halte mich exakt an die mitgelieferte Rezeptanleitung. Um irgendwo bei Schritt 4 festzustellen, dass eine Zutat fehlt: Weißwein! Ich studiere sorgfältig die Zutatenliste: Auf den Bildern ist Weißwein zu sehen, aber er steht nicht auf der Liste. Das macht mich etwas traurig, so dass ich alsbald zum Telefon greife und mich erkundige, wo der Wein abgeblieben ist. Ich bekomme die Auskunft, dass dies eine sog. „Basiszutat“ sei, die auch als solche auf der Rezeptkarte angegeben sei. Was so viel bedeutet, dass ich sie zu Hause zur Verfügung haben sollte. Dem kann ich schlecht widersprechen, denn in der Tat ist die Zutat angegeben.

Allerdings beweist der Selbsttest, dass ich nicht ausreichend auf diese Angabe geachtet habe. Auch wurde ich nicht explizit darauf hingewiesen. Das finde ich insofern etwas enttäuschend, weil es aus meiner Sicht nicht zum Konzept passt. Denn das Konzept suggeriert mir, dass ich auch wirklich ALLE Zutaten fürs Rezept bekomme (auch 3 EL Öl, Salz und Pfeffer!) und mir eben keine Gedanken machen müsste, ob irgendeine Zutat fehlt oder ich genug davon zu Hause hätte. Dass ausgewählte Zutaten als „Basiszutat“ deklariert sind und diese kein Bestandteil des Pakets sind, ist in diesem Fall für mich nicht direkt nachvollziehbar: Genauso hätte man die zwei Würfel Butter (2x20g) ebenfalls in diese Kategorie einstufen können. Ich denke dabei spontan an Gerichte, die man vom asiatischen Markt kennt – da sind in jeder Packung alle Bestandteile drin, in Tüten und Tütchen, egal wie winzig die Mengen manchmal sind.

Glücklicherweise ist der Weißwein nicht der Hauptgeschmacksträger bei diesem Rezept, sodass ich das Ablöschen mit etwas Gemüsebrühe vornehme. Also halb so schlimm, weiter geht’s, sonst brennen mir die Schalotten an.

Womit wir schon beim nächsten Punkt wären: Bei dem weiteren Prozedere fällt mir ein anderes Detail auf: Im Schritt 4 werden die Schalotten angebraten (in der Tüte sind es 2 Stück) und dann wird die Hirse hinzugegeben. Im Schritt 8 kommen die Schalotten wieder zum Einsatz, diesmal um diese zusammen mit den Pilzen anzubraten. Dumm nur, dass man bereits alle Schalotten schon beim Schritt 4 verbraucht hat… Ironischerweise habe ich diese „Nicht-Basiszutat“ zu Hause und kann mir mit einer „eigenen“ Schalotte aushelfen.

Nach ca. 40 Minuten ist es vollbracht – mein Hirsotto ist fertig.

Ich probiere es… und was soll ich sagen… ich bin geschmacklich voll im Hirsotto-Himmel! Ich esse zwei Portionen und bedauere zutiefst, dass ich keinen Platz mehr in meinem ersten Magen habe! Der zweite ist natürlich für den Nachtisch reserviert:

Stuttgart_im_Test_Deine_Rezeptgalerie

Pronto lasse ich ein paar Leute an meinem Hirsotto-Erlebnis teilhaben, indem ich ihnen Bilder von meinem Werk schicke. Geschieht ihnen Recht, wenn sie an diesem Abend meine feine Gesellschaft verschmähen und es vorziehen, unbedeutenden Tätigkeiten wie Geld-Verdienen nachzugehen!
Falls du jetzt auch (zu Recht) neidisch auf meinen Hirsotto-For-One geworden bist, weiter unten ist der Link zu „Deine Rezeptgalerie“.

Aber davor eine kurze Zusammenfassung meiner persönlichen Eindrücke:

Was mir besonders gut gefällt/Vorteile:
  • Frische und schmackhafte Zutaten
  • Schöne Aufmachung von Verpackung und Rezeptkarte
  • Aufwendige Vorbereitungen werden einem abgenommen
  • Einfache aber sehr leckere Rezepte
  • Keine Lebensmittelverschwendung
  • Passende Weinempfehlung zum Gericht und auch die Möglichkeit, die Weine vor Ort zu kaufen
  • Geschmacklich war das Gericht TOP!
Was wünschenswert wäre:
  • Die Tür sollte nicht klemmen – die Kunden denken, dass der Laden zuhat.
  • ALLE Zutaten sollten mit in die Tüte, von mir aus auch Salz und Pfeffer.
  • Auf die Zubereitungsdetails und die Mengen achten. Gerade bei festen Mengen ist es wichtig, dass diese bei den einzelnen Schritten ganz genau angeben werden.
  • Aus meiner Sicht könnten in dem Laden durchaus weniger andere (Koch-)Artikel verkauft werden. Mein erster Eindruck war, dass die Grundidee etwas in den Hintergrund gerät, da zu viele andere Produkte angeboten werden, die nicht im direkten Zusammenhang mit dem Konzept stehen.

Fazit:
Bei gleichbleibender Qualität der Produkte für Gelegenheitskocher oder spontane Kochaktionen bestens geeignet, somit klare Kaufempfehlung!

P. S. Nach meiner letzten Information wird Deine Rezeptgalerie demnächst auch einen Lieferservice innerhalb von Stuttgart anbieten.
P. P. S. Es gibt bereits Online-Anbieter in diesem Bereich, wie z. B. HelloFresh. Diese wollen aber anscheinend die Kunden in ein Abo einbinden, was mir persönlich nicht zusagt. Auch sitzen sie irgendwo in Berlin, womit eine Lieferung von frischen Zutaten/Fleisch/Fisch mir logistisch etwas herausfordernd erscheint. Das kommt z. T. von den Online-Bewertungen auch so rüber.

Und was ist mit dir? Wäre ein Supermarkt für Rezepte auch etwas für dich?
Weiterführende Infos:
www.deinerezeptgalerie.de

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2 Antworten

  1. phi1974 sagt:

    Na super. Weißwein. Basiszutat.
    Logisch.
    Also bei derartig falschen Grundannahmen werden die und ich sicher keine Freunde 🙂

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