Portugal :: Lissabon und ich – Begegnung am Tejo

Irgendwie will es in letzter Zeit nicht so richtig klappen mit dem Bloggen. Und schon gar nicht mit diesem Artikel über Lissabon, den ich seit November letzten Jahres plane. Einerseits haben die Lebensturbulenzen von 2015 einen deutlichen „Blog- und Reiseschnitt“ verursacht. Andererseits wollte ich mich meinem Erstlingswerk widmen, das als eigenständiges eBook demnächst das Licht der Welt erblicken wird.

Jaja, du hast richtig gelesen, The Hiking High Heel geht unter die Schriftsteller. Allerdings wird das eBook nicht von Hiking und Reisen handeln, jedenfalls nicht im klassischen Sinne, sondern ein belletristisches Werk sein. Aber dazu mehr zur gegeben Zeit.

Nach meinem Ausfall in 2015 war Lissabon das erste Reiseziel, das ich ins Auge gefasst hatte. Als bekennender Städtereise-Liebhaber wollte ich schon immer dahin. Lissabon war eine dieser Städte, von denen ich im Vorfeld schon so viel gehört hatte, dass ich es kaum erwarten konnte, sie zu besuchen. Solche Reiseziele kennst du bestimmt auch – wie ein Magnet ziehen sie Millionen von Touristen an und sind berühmt für DIE und DIE Sehenswürdigkeit, von der die ganze Welt einheitlich schwärmt. Dementsprechend musste auch Lissabon an der Stelle einige Erwartungen erfüllen. Da läuft man wohl wissend Gefahr, dass diese sagenumwobenen Sehenswürdigkeiten manchmal weitaus weniger spannend sind, als ihr Ruf. Um es beim Namen zu nennen – manche sind sogar, gemessen an dem, was sie für den Eintrittspreis bieten, die reinste Enttäuschung.

Wie Lissabon in puncto „Touristenmagnet“ für mich abschnitt, erfährst du nun in diesem Artikel, in dem ich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der portugiesischen Hauptstadt ausprobiert und bewertet habe. Dabei musst du nicht einmal einer Meinung mit mir sein und könntest am Ende den Artikel immer noch als gute Informationsquelle für deine nächste Reise nutzen. Und ich… ich habe meine Meinung kundgetan und endlich diesen „Ausbremsartikel“ veröffentlicht. Also eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten ;). Hm, spätestens jetzt hast du sicherlich gemerkt, dass ich wohl kein richtiger Lissabon-Fan geworden bin… aber jetzt kannst du lesen warum.

Wir legen los mit einer der bekanntesten Attraktionen, die Lissabon zu bieten hat. Diese durfte ich gleich am ersten Tag ausprobieren:

Die historische Straßenbahn

Lissabon historische Strassenbahn
Die berühmteste Straßenbahnlinie in Lissabon ist wohl die Linie 28. Die kleinen, quietschenden Wagen, die z. T. mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel haben, sind ohne Zweifel sehr knuffig. Noch knuffiger sind sie vor dem geistigen Auge der Touristen, wenn sie es sich ausmalen, wie die kleine Tram durch die engen Straßen von Lissabon um die Kurve krächzt. Vorbei ist es allerdings mit der historischen Romantik, sobald man ganz „knuffig eingequetscht“ und zusammengepfercht mit den anderen Fahrgästen, bestehend meistens aus Touristen (und für noch mehr Flair, manchmal auch aus Taschendieben), die klapprige Fahrt über sich ergehen lassen muss. Da kannst du neue Dimensionen der Intimität in einem öffentlichen Verkehrsmittel erleben, die mich stark an meine Kindheit in Bulgarien erinnern. Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich so eine Fahrt genossen bzw. gar vermisst hätte.
Wenn du es dennoch nicht ausprobieren möchtest, dann könntest du auch eine der Straßenbahnen nehmen, die z. B. rechts bzw. links von der Avenida da Liberdade hochfahren – eine befindet sich gegenüber vom Hard Rock Cafe Lisboa. Die Kosten von 1,80€ pro Fahrt sind sehr hoch für die in diesem Fall sehr kurze Strecke (die Fahrt dauert nur wenige Minuten), allerdings kannst du hier die historische Straßenbahn in den Abendstunden eher in Ruhe erleben und sie in Bildern festhalten.

Lissabon historische Strassenbahn

Lissabon historische Strassenbahn

Historisches Straßenbahn-Feeling geht auch passiv, nämlich in dem gleichnamigen Cafe 28 (Rua de Santa Cruz do Castelo n.º 45 a 47A Lisboa) in der Nähe von Castelo de São Jorge. Hier kannst du ein Bierchen in einem Original-Straßenbahnwagen genießen.

Lissabon Cafe 28

Falls du aber denkst (wie ich), bevor ich wieder ins Gedränge muss, nehme ich die „normale“ Straßenbahn… an sich eine gute Idee. Bis du drin bist und feststellen musst, dass die „normale“ Straßenbahn soooo wahnsinnig laut ist, dass der Lärm einen während der Fahrt fast aggressiv machen könnte…

Tipp: Wirf die Papier-Fahrkarte nicht weg, nachdem du das Guthaben für die jeweilige Strecke verbraucht hast. Die Karte kostet jedes Mal 50 Cent und kann wieder aufgeladen werden.

Die Aussichtspunkte von Lissabon

Davon hat Lissabon einige. Ich habe eher per Zufall ein paar entdeckt bzw. besichtigt und muss leider sagen, dass keiner davon mich besonders vom Hocker gerissen hat. Die einzige Aussichtsplattform, die ich zu schätzen gelernt habe, ist die Terrasse des Bahnhofs Rossio. Diese ist nämlich eine willkommene Abwechslung, wenn man Schlange steht, um Tickets für den nächsten Zug nach Cascais oder Sintra zu kaufen.

Lissabon Rossio

Lissabon Rossio

Lissabon Rossio

Solltest du dennoch die Aussichtspunkte unbedingt besuchen wollen, hier ist eine sehr schöne Zusammenfassung von Peter Pohle auf seinem Blog.

Pastéis de Nata

Die kleinen Blätterteig-Törtchen sind mit Pudding aus Eiern und Sahne gefüllt und schmecken am besten warm und mit Zimt bestreut.
Die wohl berühmtesten Vertreter dieser Süßigkeit sind die Pastéis de Belém. In der gleichnamigen Confiserie in der Nähe des Torre de Belém werden diese und andere süße Spezialitäten hergestellt und verkauft. Auch wenn es die Vanilletörtchen überall in Lissabon zu kaufen gibt, heißt es, dass sie hier am besten schmecken. Denn sie werden nach einem alten und geheimen Rezept (wie soll es auch anders sein?!) zubereitet. Die kleinen Törtchen schmecken ganz gut, keine Frage. Mit einem Preis zwischen 0,80-1,50€ pro Küchlein sind sie auch nicht sehr teuer. Aber von dem ihnen nachgesagten „göttlichen Geschmack“ sind sie meiner Meinung nach weit entfernt. Nichtsdestotrotz, sehr wahrscheinlich wirst du sogar Schlange stehen, um die Pasteis kaufen zu dürfen. Denn diesem Glauben sind auch alle anderen Touristen in der Gegend verfallen. Ich habe sie ja schließlich auch probiert und wurde grundsätzlich nicht enttäuscht. Aber für so einen „Kuchen-Snob“ wie mich braucht es etwas mehr, damit ich in überschwängliche Begeisterung (wie hier) gerate.
Naja, jedenfalls kannst du zumindest davon ausgehen, dass sie hier am frischesten sind – bei dem Andrang muss man ununterbrochen für Nachschub sorgen. Und frisch schmeckt es, wie immer, am besten.

Azulejos oder bunte Kachelkunst

Die Azulejos oder die bunten, meist von Hand bemalten, Kacheln sind eins der bekanntesten Wahrzeichen von Lissabon. Sie zieren die Fassaden von vielen öffentlichen Gebäuden und sind auch sonst in allen möglichen Formen, unter anderem auch als Touristensouvenirs, zu finden. Ihnen ist auch ein ganzes Museum in der portugiesischen Hauptstadt gewidmet. So kunstvoll, bunt und hochgelobt die Dekors und Mosaiken aber sein mögen, meinen Geschmack treffen sie nicht.

Persönlich empfinde ich es als etwas unangenehm, in einem gekachelten Raum Kaffee zu trinken oder Törtchen (wie in der Confiserie Pasteis de Belém) oder Sonstiges zu essen. Ich habe das Gefühl, als würde ich im Badezimmer oder in einer alten Küche sitzen – die gekachelten Wände oder Fassaden vermitteln mir einfach kein Gefühl von Gemütlichkeit.

Torre de Belém, Mosteiro dos Jerónimos, Padrão dos Descobrimentos, Ponte 25 de Abril, Castelo de São Jorge

Wie die Überschrift es bereits verrät – alles imposante Bauwerke und sehr bekannte Wahrzeichen der Stadt, die du dir aber ruhig nur von außen ansehen kannst. Für die meisten wird natürlich Eintritt verlangt (bspw. 12€ Kombiticket für Torre de Belém und Mosteiro dos Jerónimos, 8,50€ für Castelo de São Jorge), den du dir getrost sparen und doch lieber in ein paar Pasteis de Belém oder sonstige Leckereien investieren könntest.
Bis auf Castelo de São Jorge sind Torre de Belém, Padrão dos Descobrimentos, Mosteiro dos Jerónimos und Ponte 25 de Abril alle sehr dicht beieinander und können wunderbar innerhalb eines ausgedehnten Spazierganges abgeklappert werden.
Lissabon Torre de Belem

Lissabon Padrão dos Descobrimentos

Lissabon Mosteiro dos Jerónimos

Elevador de Santa Justa

Ich muss gestehen, mitten in der Stadt ein 45 m hoher historischer Aufzug, der seit über 100 Jahren zwei Stadtteile von Lissabon miteinander verbindet, dazu noch reichlich mit Ornamenten verziert, das ist schon etwas Außergewöhnliches. Für die kurze Fahrt aber 5€ zu verlangen halte ich dennoch für unangemessen. Es reicht völlig, sich diese Sehenswürdigkeit von der Straße aus anzusehen. Da dies nur ein paar Minuten in Anspruch nimmt, ist es eher ein Nice-To-See als ein Must-See.
Was mir in Lissabon persönlich sehr negativ aufgefallen ist, sind die unendlich vielen Graffiti-Schmierereien, die jede freie Oberfläche bedecken. Graffiti-Kunst bringt oft die urbane Verwahrlosung noch stärker zur Geltung, verleiht aber manchen Plätzen eine besondere Atmosphäre des Verlassenseins. Im Falle von Lissabon handelt es sich aber meistens nur um lieblos aufgesprühte Zeichen, die das Stadtbild erheblich verschlechtern und die Straßen schmuddelig und heruntergekommen aussehen lassen. Viele alte, verfallene Häuser können so nichts von ihrem Shabby-Charme bewahren.

Dass es auch anders gehen kann, habe ich bereits in London gesehen. Immerhin, aus Lissabon kann ich dennoch mit diesem kleinen Bild aufwarten, das mir tatsächlich gefallen hat – entdeckt in der Nähe von Castelo de São Jorge:

Lissabon Graffiti

Küche/Essen

Die portugiesische Küche scheint mir sehr fleischlastig zu sein. Wer kein Fleisch mag, ist hier schlecht aufgehoben. Allerdings dürfte Lissabon ein Schlaraffenland für Liebhaber von Fisch und Meeresfrüchten sein. An dieser Stelle würde ich dir z. B. das Restaurant 5 Oceanos (Doca de Santo Amaro) empfehlen – sie haben eine sehr große Auswahl an frischem Fisch und Meeresfrüchten und den Ruf den besten gegrillten Fisch in Town zu haben.

Auch hier dreht sich alles um den Fisch, allerdings mit einem etwas anderen Konzept: Bei Sol e Pesca in der pinken Straße von Lissabon ( Rua Nova do Carvalho 44, 1200 Lisboa, die Webseite der Bar gibt derzeit nicht viel her…) kannst du in einem eigenwilligen Ambiente dir eine… Fischkonserve nach Lust und Laune aussuchen, für 2.50€ gibt es noch etwas Brot und Salat dazu.

Lissabon Rua Nova do Carvalho

Lissabon Sol e Pesca

Und in der R. da Mãe de Água habe ich ein gutes vegetarisches Restaurant namens „Jardim dos Sentidos“ mit sehr angenehmen Ambiente und nettem Service entdeckt:

Lissabon Jardim dos Sentidos

Lissabon Jardim dos Sentidos

Ich war bereits zwei Mal in diesem Restaurant und jedes Mal hat das Essen sehr gut geschmeckt – selbst meine männliche Begleitung war mit ihrem fleischlosen „Chili sin Carne“ sehr zufrieden!

(Falls du dich jetzt fragst, ob ich Vegetarierin sei, die Antwort ist NEIN! Ich esse allerdings Fleisch nicht besonders gern und immer, wenn es eine gute Alternative dazu gibt, entscheide ich mich eher für diese.)

Fazit:
Lissabon ist irgendwie bei mir durchgefallen. Sicherlich hat auch die Tatsache dazu beigetragen, dass mein Zimmer in einem 4-Sterne Hotel (dessen Namen ich nicht direkt verraten möchte, er aber etwas mit der Endung einer ausführbaren Datei zu tun hat…) ein unübersehbares Schimmelproblem im Fensterbereich hatte… Diesen Umstand haben Hotelmanager und Personal fast mehr bedauert, als ich selbst – nach dreimaligem Wechseln habe ich eins der „vernünftigen“ Zimmer bekommen, kostenloses Frühstück und die explizite Einladung des Managers Lissabon und seinem Hotel eine zweite Chance zu geben.

Dazu wird es wohl nicht so schnell kommen. Das Feng Shui der Stadt hat mir nicht zugesagt – ungemütlich, lieblos und kalt kam mir alles vor. Den vielen hochgelobten Sehenswürdigkeiten konnte ich auch nicht sehr viel abgewinnen. Fast macht es mich ein bisschen traurig, dass ich keinerlei Begeisterung für diese Stadt entwickeln konnte. Jedoch solltest du nicht verzweifeln, falls du dein Flugticket schon gebucht hast – Lissabon ist trotzdem eine Reise wert, vor allem auch, weil es in der Nähe andere interessante Orte zu entdecken gibt, wie z. B. Cabo da Roca, Sintra oder Cascais. Zu den letzteren werde ich demnächst ausführlicher berichten… also bleib dran!

Weiterführende Informationen:

http://pasteisdebelem.pt/
http://museudoazulejo.pt
http://www.5oceanos.pt
http://www.jardimdosentidos.com

Gefällt dir The Hiking High Heel? Dann folge mir auf Facebook, Twitter, Instagram und Google+

Das könnte auch interessant sein...

2 Antworten

  1. … sehr schade, dass Lisboa bei dir durchgefallen ist. Ich habe die Stadt positiver erlebt. Beste Grüße, Michael

Schreibe einen Kommentar! Ich freue mich auf Dein Feedback!

Werde ein Fan von The Hiking High Heel!schliessen
oeffnen
%d Bloggern gefällt das: