Portugal Cascais :: Teatime am Boca do Inferno

Gehörst du auch zu den Leuten, die das sagen: „Der Ort ist mir zu touristisch!“ ? Ja?

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Ich bin ja auch so ein Touri ;). Das liegt zum Teil daran, dass ich an einer irreversiblen Störung leide, durch die ich gewissermaßen zu einem Touristensnob mutiert bin. Ich vertrage nämlich keine großen Menschenansammlungen. Oktoberfest, Wasen, Weihnachtsmarkt, Karneval – Massenveranstaltungen sorgen bei mir für einen spontanen Urticaria-Ausbruch. Im Gedränge stehen, eine Wurst im Brötchen essen, Senfbomben, die auf meiner Hose landen, über Bierleichen steigen oder selbst von diesem Dasein bedroht sein, bei -12 Grad so tun als würde ich den unspektakulären Glühwein genießen… Alles Aktionen, deren Charme sich mir selbst nach jahrelangem Üben nicht erschließen konnte…

Auf der anderen Seite, kaum ist man etwas in der Welt herumgekommen, schon weiß man alles besser und nach und nach traut man sich, selbst hochgepriesene Sehenswürdigkeiten zu verschmähen. Mittlerweile kann ich z.B. ganz gut dem inneren Drang widerstehen, mich in eine Schlange zu stellen und darauf zu warten, überteuerte Tickets für irgendwelche Besichtigungen zu kaufen.

Also, alles keine so guten Ausgangsbedingungen, um ein typisches Touristendorf wie Cascais zu besuchen, ganz besonders, nachdem bereits Lissabon für mich nicht so gut abgeschnitten hat. Umso überraschter bin ich dann, dass mir das kleine Örtchen etwa 25 km westlich von Lissabon doch ganz gut gefällt. Plötzlich ist das Wetter hier viel besser und angenehmer als in der Hauptstadt. Endlich weniger talentlose Graffiti-Schmierereien in meinem Sichtfeld, und wenn schon, dann zumindest in meinen Lieblingsfarben:

Cascais Portugal

Cascais-12

Cascais

Zu den ersten positiven Erlebnissen in Cascais gehört auch eine kleine Stärkung in diesem sehr netten Teeladen, der mir nicht allein deswegen aufgefallen ist, weil ich gerne Tee trinke (wie man diesen Beiträgen hier und hier entnehmen kann):

Cascais-Portugal Justtea

Cascais-Portugal Justtea

Cascais-Portugal Justtea

Cascais-Portugal Justtea

Mit seinem hellen und dezenten Design tanzt der Shop etwas aus der Reihe in der Haupttouristenmeile von Cascais. Denn auch hier überwiegt sonst die Sorte von Restaurants, die mindestens „195“ verschiedene Gerichte gleichzeitig anbieten, von denen in Folie eingeschweißte Fotos am Eingang hängen.

Irgendwie erinnern mich solche Buden an ein chinesisches Heilmittel, dass bei allen möglichen Wehwehchen eingesetzt werden kann. Doof nur, dass ich bei jedem Medikament, das gegen mehr als drei Krankheiten hilft, misstrauisch werde. So geht es mir auch mit solchen Restaurants.

Deswegen kommt mir Justtea wahrscheinlich noch einladender vor. Darin kann man diverse Tees und Zubehör kaufen, aber auch ein Stück frisch zubereiteten Kuchen oder ein Sandwich für den kleineren Hunger zu sich nehmen. Und das in einem erfrischenden, stilvollen Ambiente. Der Laden wird vom Vater und seiner jungen Tochter geführt, die beide sehr gut Englisch sprechen, sehr freundlich, tee-kompetent und zuvorkommend sind. Auch nennenswert, weil offensichtlich nicht selbstverständlich – der Laden bietet seinen Gästen kostenlosen WLAN-Zugang.

Ein Stück Orangenkuchen und einen Tee später verlassen wir Justtea versorgt und zufrieden. Unser nächster Stopp Boca do Inferno – der Höllenmund – ist etwa 2 km entfernt. Auf dem Weg dahin sammeln wir weitere Eindrücke aus Cascais:

Cascais

Cascais

Cascais

Cascais

Boca do Inferno erreichst du nach einem kurzen Küstenspaziergang in nordwestliche Richtung. Es handelt sich um eine Felsformation, die sich als weitaus weniger höllisch erweist als erwartet.

Cascais Boca do Inferno

Ein Guide versucht seine Gruppe zu überzeugen, dass bei schlechtem Wetter das Wasser meeeeterhoch aus dem Loch schießen würde und das Dröhnen der Wellen kilomeeeeeterweit zu hören sei. Nnnnnaaaa ja. So richtig kann ich das nicht glauben, aber andererseits bin ich nicht unglücklich, dass dies gerade nicht der Fall ist. Jedenfalls habe Boca do Inferno den morbiden Ruf, als beliebter Selbstmordort zu fungieren. Man will es nicht glauben, aber diesbezüglich scheint diese Sehenswürdigkeit ihre eigene Zielgruppe zu haben…

Cascais Boca do Inferno

Cascais Boca do Inferno

Auf dem Rückweg verirren wir uns in den kleinen Gassen von Cascais etwas abseits vom Zentrum. Ausgehungert landen wir im kleinen Familien-Restaurant Melody ( Rua do Poço Novo 195, 2750-079 Cascais). Wenn ich sagen würde, dass es unspektakulär aussehen würde, wäre das etwas untertrieben. Umso angenehmer die Überraschung, dass wir hier eins der besten Essen während unseres Aufenthalts in Portugal genießen.

Es werden unprätentiöse, frisch zubereitete lokale Gerichte zu akzeptablen Preisen serviert. Berühmt ist hier vor allem der Oktopus-Eintopf, der, wer es denn mag, locker auch für zwei Personen reichen würde.

Anschließend schlendern wir noch etwas umher und versuchen erfolglos diese Katze für 95€ zu erwerben:

Cascais

Auch an dieses Fahrrad kommen wir nicht heran:

Cascais

Dafür nimmt uns aber der Zug wieder nach Lissabon zurück, wo es mir nach dem guten Essen und dem sonnigen Abstecher nach Cascais schon zunehmend besser gefällt…

Cascais

Die Krönung des Portugalurlaubs folgt in Kürze…

Weiterführende Infos:
Cascais ist am besten mit dem Zug vom Bahnhof Cais do Sodre zu erreichen.

Justtea

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