Golfgeflüster :: Teurer Spaziergang oder Scheitern mit Stil?

Eine Runde Golf mit The Hiking High Heel

Das letzte Mal als ich den unwiderstehlichen Drang verspürte, mich auf den Golfplatz zu begeben, durchquerte ich gerade den Regenwald. Nicht überraschend führte dieser Umstand zu übermäßigem Schwitzen und einem jähen Verbrauch meiner letzten Wasserreserven. Diese unglückliche Kombination erschwerte mir das Fortkommen in erheblichem Maße, zumal die nächste Möglichkeit an Wasser heranzukommen einige Kilometer entfernt war. Genau in diesem Moment erspähte ich einen saftig grünen, perfekt getrimmten, mit einer funktionierenden Sprinkleranlage ausgestatteten Rasen, nur wenige Meter von meinem Wanderpfad entfernt.

Wer jetzt denkt, das sei eine waschechte Fata Morgana gewesen, der irrt. Denn es gibt tatsächlich Plätze auf diesem Planeten, an denen Regenwald und Golf in unmittelbarer Nähe voneinander vorkommen. Dieses Paradox wurde bereits in diesem Beitrag thematisiert.

Was die Natur damals nicht schaffte, schaffte zwei Jahre später die Volkshochschule in meiner Gegend: Das erste Mal wurde ein Schnupperkurs für Golfanfänger angeboten. Nachdem ich gelesen hatte, dass es im Anschluss des Kurses auch noch Schnitzel mit Pommes geben wird, stand meiner Anmeldung nichts mehr im Wege. Auch der Fakt, dass ich gar nicht so weit entfernt von dem schönsten Golfplatz in Baden-Württemberg wohne, wirkte sich positiv auf meine Entscheidung aus. Dass das der schönste Golfplatz sei, wusste ich zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht. Das erfuhr ich erst während des Kurses. Denn unser Trainer erklärte uns später, dass der schönste Golfplatz eben immer der nächstgelegene ist ;). Und „meiner“ liegt nun mal nur 6 km von meiner Haustür entfernt. Somit könnte es wohl kaum einen schöneren geben, oder?!

Eine Runde Golf mit The Hiking High Heel

Auch wenn ich über die Entfernung nicht klagen kann, einen Nachteil hat diese dann doch am besagten Tag: Die Fahrt zum Golfclub findet an einem Samstagmorgen im strömenden Regen statt. Ein Blick in Richtung Himmel verrät mir, dass dieser keinerlei Anstalten macht, binnen der kurzen Fahrzeit aufzureißen. Meine erste Begegnung mit dem Golfsport droht buchstäblich ins Wasser zu fallen. Kurzerhand erwäge ich, mit dem Kurs in umgekehrter Reihenfolge anzufangen, nämlich beim Schnitzel.

Wider Erwarten hört der Regen aber in der Sekunde auf, in der ich mein Auto vor dem Golfclub abstelle. Ich steige aus und das Erste, was ich mich frage, ist, warum ich eigentlich nicht gleich den Porsche genommen hätte…? So würde ich jetzt (mit meinem Auto) nicht wie ein bunter Hund auffallen, in diesem Meer von Porsches… Der Grund für meine Entscheidung ist auf den Umstand zurückzuführen, dass ich keinen Porsche besitze. Zumindest noch nicht, haha. Also, was bleibt einem noch übrig – Kopf hoch, Brust raus und souverän den Golfclub betreten.

Zu meiner Überraschung scheint das schlechte Wetter auch auf andere keine abschreckende Wirkung auszuüben: Eine erhebliche Anzahl an Menschen ist gerade dabei, den Golfplatz zu stürmen. Alle ausgestattet mit etwas, was ich anfänglich für einen wuchtigen Kinderwagen halte. Gibt es einen Nachlass für Eltern mit Kindern?? Dann fallen mir die überdimensionalen Regenschirme auf, die an den vermeintlichen „Kinderwagen“ befestigt sind. Denn dieser ist nichts anderes als ein sog. Trolley für alles, was man zum Golfspielen so braucht. Damit lässt sich der Enthusiasmus doch wieder erklären.

Nachdem wir mit einem Namensschild versehen werden, holt uns ein gutaussehender Mann ab. Sein beneidenswerter Teint verrät ihn sofort – es ist unser Trainer.

Und alsbald beginnt unsere Einweihung in die Künste des Golfspiels…

# GOLF: Wer hat’s erfunden?

Nun ja, die Schweizer waren’s nicht. Darüber sind sich zumindest alle einig. Laut unseres Trainers seien es doch die Holländer und nicht die Schotten gewesen. Auch die Chinesen wollen wohl den Titel als Geburtsstätte des Golfspiels für sich beanspruchen. Grundlage dafür sei ein Gemälde aus dem 15. Jahrhundert, das einen chinesischen Kaiser beim Golfspielen zeigt. Fakt ist aber, dass der Mensch schon zu antiken Zeiten in Ägypten, Rom oder Japan den Drang verspürt hatte, mit einem Stock auf etwas Rundes zu schlagen und es in eine Erdöffnung zu befördern.

Somit scheint die Herkunft des Wortes „golf“ nicht eindeutig belegt zu sein. Umso interessanter ist es dann, dass die Golfterminologie und die Vorgaben bzgl. der Golfgeräte durch ein nahezu kleinliches Detailreichtum auffallen.

# Die Haltung

Als Erstes müssen wir unsere „führende“ Hand festlegen, die nicht unbedingt mit der „schreibenden“ Hand übereinstimmen muss. Das kannst du dir wie bei einem Fußballer vorstellen, der eigentlich Rechtshänder ist, aber am liebsten mit dem linken Fuß kickt.

Eine Runde Golf mit The Hiking High Heel

Jedenfalls hängt davon ab, was du für einen Golfschläger brauchst und wie du diesen halten musst – nämlich mit der führenden Hand vorne. Dabei müssen sich die Hände immer berühren. Deine Handgelenke dürfen nicht abknicken und der Schwung “ sollte aus dem Rumpf“ und nicht aus den Armen (die du gestreckt halten solltest) kommen. Versuche vor allem Letzteres zu verinnerlichen und dir gleich die richtige Haltung anzutrainieren. Es ist der erste Schritt in die Richtung, den Ball zu treffen, anstatt mit dem Golfschläger auf den Boden zu donnern. Das führt nämlich zu einer nicht unerheblichen körperlichen Erschütterung. Je nach Intensität, kann diese auch das Gehirn in unangenehme Schwingungen versetzen. Zusätzlich verursacht das unschöne Löcher in dem perfekt getrimmten Rasen, für dessen makellose Aussehen täglich 5 Gärtner ausrücken müssen.

Allerdings ist das leichter gesagt als getan. Auch wenn wir gerade dabei sind, einen Rasen im Wert von etwa 60 000 € zu verunstalten, hilft das unserer Koordination erst mal nicht weiter. Nachdem wir einige Löcher auf dem Übungsareal (Driving Range) geschlagen haben, dürfen wir unsere Bälle mit diesem lustigen Gerät einsammeln:

Golfrunde mit The Hiking High Heel

Damit ist es möglich, die Bälle aufzuheben, ohne sich bücken zu müssen – sie werden quasi „eingesaugt“. Es ist beschämend, aber ich muss gestehen: das hat fast mehr Spaß gemacht, als an der richtigen Haltung zu arbeiten…

Golfrunde mit The Hiking High Heel

# Der Golfschläger

Ob man einen Golfschläger nur zum Golfspielen verwendet oder zweckentfremdet, eins ist klar – die Länge muss passen, damit Schwung und Abschlag klappen. Um die richtige Länge zu bestimmen, muss der sog. Lie-Winkel berechnet werden: das ist der Winkel, den Schaft und Schlägerkopf zueinander bilden. Das muss selbstverständlich im Verhältnis zu der eigenen Körpergröße, dem Geschlecht, der Rumpflänge, des Schwungtempos und dem Material (um nur die wichtigsten Kriterien zu nennen) gesetzt werden. Demnach könnte man meinen, dass der persönliche Lie-Winkel sich fast zur Personenidentifizierung eignen würde.

Für eine korrekte biometrische Berechnung kannst du jederzeit das Internet konsultieren, wie z. B. diese Seite hier: golfhaus.de

In unserem Fall verlassen wir uns auf das Augenmaß und die Erfahrung des Trainers. Mir wird ein 7er Damen-Golfschläger ausgehändigt. In diesem Zusammenhang wird auch gleich ein weiteres Mysterium gelüftet, und zwar, was es mit den Nummern der Golfschläger auf sich hat: Je kleiner nämlich die Nummer, desto weiter fliegt der Ball. Auch sei es kein Fehler bei der Prägung gewesen, dass die jeweilige Nummer auf dem Kopf des Golfschlägers „andersrum“, positioniert ist. Alles eine Frage der Perspektive. Denn, ist der Golfschläger in der Golfbag verstaut, lässt sich die Nummer so bequemer ablesen:

Golfrunde mit The Hiking High Heel

# Der Golfball

Der Golfball ist, kurz gesagt, ein Spielgerät im Golf (Quelle: Wikipedia.de).

Sein Durchmesser liegt bei mindestens 42,67 mm, das maximale Gewicht bei 45,93 g. Die Oberfläche des Balls ist mit ca. 300 bis 450 kleinen Dellen (sogenannten Dimples) versehen, wobei die genaue Anzahl an „Dimples“ nicht festgelegt ist (Quelle: Wikipedia.de). Keine Ahnung, wer sich die Mühe gemacht hat, die Dellen zu zählen. Und vor allem erstaunlich, wie 300 oder mehr davon Platz auf dem Golfball finden. Das Ziel ist es jedenfalls, so einen Ball mit möglichst wenig Schlägen in ein 10,8 cm breites, entferntes Loch zu spielen.

Wie all diese krummen Zahlen beim Golf zustande kommen, konnte ich mir bislang nicht erklären. Wenn du mich fragst, gibt es aber eine wirklich wichtige Information bezüglich des Golfballs, die du dir eher merken solltest. Und diese lautet:

„FORE!“

Wenn du dieses Wort irgendwo auf dem Golfplatz hörst, egal in welcher Lautstärke, solltest du vor allem eins nicht tun: deinen Kopf drehen und in die Richtung schauen, aus der das „FORE“ kam!

Denn dieser Warnruf bedeutet nichts anderes als „Achtuuuung! Golfball im Anflug!“.

In diesem Fall würde ich empfehlen, dich sofort zu ducken und die Hände über den Kopf zu legen. Auch solltest du nicht versuchen wegzulaufen. Da der Teufel ein Eichhörnchen ist, würdest du dich dadurch vermutlich erst recht in die Flugbahn des Golfballs stellen. Nicht nur kann ein Ball je nach Schlag und Wind seine Flugbahn ändern. Er kann auch locker eine Geschwindigkeit von ca. 250 km/h (der Rekord liegt bei 328 km/h) erreichen. Somit: einfach einfrieren, Kopf schützen und hoffen, dass es dich nicht trifft.

Bei einem unbeabsichtigten Flug des Golfballs kann es auch passieren, dass dieser irgendwo landet, wo keiner ihn ohne Weiteres erreichen kann: z. B. in einem Teich. Irgendwann ist der Teich voll und muss einer Säuberung unterzogen werden. In solchen Fällen wird ein professioneller Taucher engagiert, der die versenkten Bälle einsammelt. Gegen eine geringe Gebühr von z. B. 20-30 Cent pro Stück dürfe er dann i. d. R. die Bälle behalten. Was nach einem fragwürdigen Geschäft klingt, stellt sich als eine lukrative Verdiensttätigkeit heraus: Der Taucher kann die Bälle dann für das 10fache oder sogar noch teurer zum Verkauf anbieten. In diesem Zusammenhang erzählt uns unser Trainer von einem Amerikaner, der seinen Lebensunterhalt bereits seit 22 Jahren damit bestreitet. Er hätte mittlerweile mehr als 1.5 Millionen Golfbälle gesammelt und weiter verkauft. Selbst wenn er pro Stück nur noch einen Dollar bekommen hätte, hat er es bereits zum Millionär geschafft. Etwas, was sehr wenige Golfspieler von sich behaupten können…

# Die Terminologie

Eagle, Albatros, Birdie, Girlie, Lady, Rabbit, Putt, Tiger Line, Tee…

… um nur einige interessante Begriffe aus der Welt des Golfs zu nennen.

Wie man an der Auswahl gut erkennen kann, sind einige davon sehr anfällig für sog. Volksetymologien. Denn ein Eagle ist kein Adler, sondern selbstverständlich „ist ein Eagle an einem Par 3 also gleichzeitig auch ein As“ (Quelle: golfinfos.ch).

Und Greenfee ist keine grüne Fee, sondern „die Spiel- oder Platzbenutzungsgebühr für clubfremde Golfspieler“ (Quelle: golfinfos.ch).

Ferner, sobald du die Golfterminologie souverän beherrscht, wirst du in der Lage sein, solche Sätze, wie diesen hier zu bilden (zumindest auf Deutsch):

„Wird der Ball mit dem Grain geputtet, läuft er meist schneller, als gegen den Strich.“

(Grain: Die Richtung der Grashalme auf dem Grün, welche durch den jeweiligen Schnitt verursacht wird (Quelle: golfinfos.ch)).

Und wahre Golf- (oder Gossip-) Liebhaber erkennt man auch daran, dass sie sich bei solchen Sprüchen ins Fäustchen lachen:

„a lion wouldn’t cheat but a Tiger Wood“

Jaja, es sieht ziemlich danach aus, als würde Golf nicht nur fundierte mathematische Kenntnisse erfordern, sondern auch eine gewisse sprachliche Begabung und die korrekte Verwendung von Metaphern voraussetzen.

Und nicht zuletzt, für alle, die dem Spruch sofort zustimmen würden:

„To golf or not golf – what a silly question?!“

„golf“ ist (laut Cambridge Dictionary) kein Verb, sondern ein Substantiv ;).

Wenn wir also schon versuchen, einen etwa 45,93 g schweren Ball in ein 10.8 cm breites Loch, vorzugsweise mit dem Grain, zu putten, sollten wir das dann auch gleich richtig beim Namen nennen, nämlich „playing golf“, oder?

Fazit: Ich dachte immer, Golf zu spielen sei langweilig. Nun, nachdem ich es persönlich ausprobiert habe, kann ich sagen: Ja, es ist langweilig. Subjektiv stufe ich Erfolgserlebnis und Spaßfaktor als zu gering ein. Selbst wenn versucht wird, die hohen Kosten für eine Mitgliedschaft mit der Instandhaltung von Rasen etc. zu erklären, ist Golf unterm Strich zu prätentiös für meinen Geschmack. Und mein Geschmack ist bereits ziemlich prätentiös. Dennoch haben wahre Golfliebhaber mein vollstes Verständnis. Schließlich weiß ich, wie es sich anfühlt, Dingen verfallen zu sein, bei denen andere nur müde die Augen verdrehen.

Also, jedem Snob das Seine…

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