Bali :: Roller fahren – Tipps für Anfänger

Anfang Oktober 2016 brach ich nach Bali auf, um mein Yoga-Retreat bei Desa Seni in Canggu zu absolvieren. Ganze 5 Wochen intensiven Trainings lagen vor mir – 6 Tage die Woche von früh morgens bis spät nachmittags. Dass ich keine Zeit für große Unternehmungen haben würde, leuchtete mir schon vor dem Trip ein. Glücklicherweise befanden sich ein Supermarkt, mehrere Restaurants, eine Smoothie-Bar, eine Wäscherei und ein Massagesalon in unmittelbarer Nähe zu meiner Unterkunft. Auch der Strand war nur 1 km Luftlinie entfernt. Alles also in kürzester Zeit zu Fuß zu erreichen. Und so war ich mir von vorneherein sicher, dass ein Hiking High Heel kein Fortbewegungsmittel braucht, um abends zum Strand oder zum nächsten Shop zu laufen.
Mit „Fortbewegungsmittel“ meine ich diese fahrenden Kloschüsseln namens „Roller“ oder „Scooter“:

Scoopy

Quelle: http://motorcomcom.blogspot.de

Auf Bali fährt jeder einen Roller – mit oder ohne Helm, mit oder ohne Schuhe, mal im Bikini, oben ohne, unten ohne, Hauptsache grenzenlose Freiheit und Wind in den Haaren. Während der Fahrt sind Rauchen, Telefonieren und das Transportieren von Tieren, Surfbrettern, Babys und Kleinkindern, dem Einkauf oder anderen sperrigen Objekten erlaubt:

Bali Roller fahren Tipps Aanfänger

Bali Roller fahren Tipps Aanfänger

Bali Roller fahren Tipps Aanfänger

Es ist super einfach einen Roller auf Bali zu mieten – meistens kannst du dir direkt über die Unterkunft einen organisieren lassen und dieser wird vor die Haustür samt Helm geliefert.
Aber so einfach diese Prozedur auch ist, so sehr wollte ich es vermeiden, selber fahren zu müssen. Denn der Verkehr hatte bei meinem letzten Besuch im Jahr 2011 bleibenden Eindruck hinterlassen. Damals war ich lediglich als Beifahrer unterwegs. Ich kann mich aber bis heute noch erinnern, welche Todesängste ich im Verkehrschaos ausgestanden hatte. Während ich hinten auf dem Roller saß und Gebete zum Himmel schickte, zeigte sich mein „Fahrer“ hingegen völlig unbeeindruckt. Er genoss geradezu die Anarchie auf den Straßen. Auch der Linksverkehr verunsicherte ihn kein bisschen. Das war auch nicht verwunderlich, besaß er schließlich alle möglichen Führerscheinklassen – Bus-, LKW- und Motorrad-Führerschein. Und zu guter Letzt auch einen Flugschein. Um sich ein Bild von seinen Skills zu machen, empfehle ich dir das Video am Ende dieses Artikels.

Ich hingegen kann nur Auto und Fahrrad fahren. Letzteres vorzugsweise geradeaus, was mich schon mal für das Roller-Fahren geringfügig disqualifiziert. Deswegen stand mein Entschluss schon vor der Reise fest, zu Fuß zu gehen und für längere Strecken ein Taxi zu nehmen.
Nun, eine vernünftige Entscheidung vielleicht, aber leider komplett realitätsfern. Denn noch am ersten Abend wurde mir klar, warum das keine so gute Idee war.

Gerade angekommen, machte ich mich gleich auf den Weg zum Strand. Kaum hatte ich die Straße erreicht, fielen mir aber plötzlich ein paar Dinge auf:

  • Es war gerade mal 18:00 Uhr und schon dunkel,
  • Straßenbeleuchtung und Ampeln gab es keine,
  • Gehwege ebenfalls nicht.

Dafür keine Verkehrsregeln. Für meine zartbesaitete deutsche Seele unvorstellbar…

„Alles kein Problem”, dachte ich mir, “ich werde am Straßenrand laufen”.

Gesagt – getan.

Und dann kam ein Auto entgegen und erwischte mich mit dem Seitenspiegel am Arm. Ich sprang zur Seite und wäre beinahe in einem der Gräben gelandet, die die Straße von den umliegenden Reisfeldern trennen. Diese Wasserkanäle sind mit schmutzigem Wasser gefüllt und nur stellenweise zugemauert. Wenn du (wie ich) ohne Taschenlampe und im Dunkeln unterwegs sein solltest, ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, in einem der dunklen Löcher zu landen.

Während dieses nächtlichen Ausflugs wurde ich einige Male vor die Entscheidung „Auto“ oder „Reisfeld“ gestellt. Als ich endlich am Strand ankam, war ich etwas fertig mit den Nerven. Als Erstes gönnte ich mir ein Bier, um mich von dem Schock zu erholen. Spätestens jetzt war es für mich klar, dass ich meine Erfahrungen in einem Artikel verarbeiten müsste.

Einige Tage später mietete ich einen Roller. Der Vermieter brachte mir, wie von mir verlangt, einen Scoopy.
Als er erfuhr, dass ich noch nie Roller gefahren war, zeigte er sich besorgt. Um den Roller versteht sich. Er vergewisserte sich, dass ich mir im Klaren sei, dass es keine Versicherung gibt und dass ich für alles aufkommen müsste, sollte ich einen Unfall bauen. Dann händigte er mir einen dreckigen Helm aus – zwei Nummern zu groß und mit kaputtem Verschluss. So viel zum Thema “Sicherheit”. Nach einigem Hin und Her brachte er aber später einen einigermaßen intakten Helm vorbei. So stand meiner Roller-Premiere nichts mehr im Wege.
Diese Premiere begann erwartungsgemäß holprig. Es dauerte eine Weile, bis ich feinfühlig genug mit dem Gasgeben umgehen konnte. Denn immer wenn ich es tat, waren diese Gräben und die Reisfelder plötzlich im Weg… Dann gab es auch Kurven, Kreuzungen, andere Verkehrsteilnehmer, bellende Hunde, Schlaglöcher, Straßenverkäufer mit Imbisswagen, Steine, Baustellen und einen Haufen anderer Hindernisse.

Als ich das erste Mal zum Supermarkt fuhr (ca. 500 Meter), ohne Mist zu bauen, kam ich mir großartig vor. Später traute ich mich sogar bis zum Strand. Und so vergrößerte ich nach und nach meine Kreise, bis ich in der Lage war, eigenständig mein Lieblings-Spa Therapy am Echo Beach zu erreichen. Einige Massagen später ging es dann entspannter zu. Aber bis dahin war es ein langer Überwindungsweg, den ich ganz alleine, fern der Heimat, gehen musste…

Aus diesen Gründen habe ich eine Liste der Dinge zusammengestellt, die mir beim Umgang mit dem Roller geholfen haben. Solltest du auch ein blutiger Anfänger sein, hoffe ich, dass dir der Einstieg dadurch etwas erleichtert wird. An dieser Stelle muss ich dennoch explizit sagen, dass diese Tipps auf meinen eigenen Erfahrungen beruhen und sie ohne Gewähr sind! Keiner dieser Tipps kann Fahrsicherheit garantieren und jeder muss für sich herausfinden, welche Strategie für einen funktioniert!

Am besten du fängst damit an:

Miete einen Scoopy!

Scoopy-Roller sind etwas kleiner und leichter zu steuern. Man nennt sich deswegen auch „Mädchen-Roller“. Solltest du ein Newbie sein, nur kein falscher Stolz: Frag den Händler, ob er dir einen Scoopy vorbeibringen kann. Auch, wenn du ein Mann bist. Ich habe zu Beginn auch ein größeres Model ausprobiert und fand es schwieriger zu fahren (insbesondere, wenn du etwas kleiner sein solltest).

Trainiere mindestens ein paar Runden an einem Ort, an dem wenig oder gar kein Verkehr herrscht!

Ich habe am Anfang jedes Mal einige Zeit auf dem Parkplatz vor der Unterkunft geübt, bevor ich mich auf die Straße getraut habe.

„Vorne spielt die Musik“

Es gibt keinen Schulterblick, keine Vorfahrt, und überholt wird von allen Seiten. Jeder fährt, wie er kann und wie es gerade geht, ziemlich nach dem Prinzip „Nach mir die Sintflut“. Was so viel bedeutet, dass keiner sich interessiert, was hinter ihm passiert. Nachdem ich auch angefangen hatte, meine Aufmerksamkeit ausschließlich auf den Verkehr vor mir zu richten, kam ich viel besser mit dem Fahren zurecht. Auch wenn dieser Hinweis mit Vorsicht zu genießen ist, schien mir, dass sich nahezu alle so verhalten haben, was im am Ende doch für eine „chaotische Ordnung“ gesorgt hat.

„Schwimm“ mit dem Strom!

An einer Kreuzung stehen bleiben und warten, bis du dran bist und abbiegen oder passieren kannst? Da kannst du lange warten! Am besten kurz umschauen und versuchen sich möglichst „nahtlos“ in den Verkehr einzufügen. Und hoffen, dass nichts passiert. Genau genommen wird es für einen eher gefährlich, wenn man komplett und für die anderen unerwartet anhält. Ich gebe zu, dieser „Tipp“ ist etwas schwierig und man versteht ihn am besten, erst wenn man mitten im Verkehr steckt. Super, oder?!

Hupen

Hupen ist ein altbewährtes Mittel, um auf sich aufmerksam zu machen. Dieses wird auf Bali im Straßenverkehr häufig eingesetzt. Solltest du „angehupt“ werden, nimm es nicht persönlich. In den meisten Fällen will dich keiner stressen oder ermahnen, sondern dich lediglich warnen, dass er/sie überholen will.

Blinken

Zu meiner Überraschung wird auf Bali doch recht häufig geblinkt. Wenn es also eine Regel gibt, die noch einigermaßen eingehalten wird, dann gehört das Blinken dazu.

Blinkt ein Auto vor dir rechts, biegt aber nicht ab, bedeutet das, dass du nicht überholen solltest, da Gegenverkehr kommt.

Lichthupe

Gibt dir ein entgegenkommendes Auto Lichthupe, empfiehlt es sich zu bremsen oder zur Seite zu fahren.

Trage keine Tasche oder Rucksack während der Fahrt!

Es kommt leider vor, dass einem die Tasche von vorbeifahrenden Rollerfahrern von der Schulter gerissen wird. Und das nicht nur, wenn du als Fußgänger unterwegs bist. Es ist unnötig zu erwähnen, was passieren kann, wenn dir jemand die Tasche wegreißt, während du fährst. Das kann sehr, sehr böse enden. Deswegen ist es ratsam, deine Tasche im Fach während der Fahrt unter dem Sitz aufzubewahren. Lässt du deinen Roller stehen, Tasche und/oder Wertsachen immer mitnehmen! Die Fächer unterm Sitz können leicht aufgebrochen werden.

Trage beim Fahren geschlossene Schuhe!

Auch wenn dir das blöd oder unangemessen bei den Temperaturen auf Bali vorkommt, der Moment, in dem du für diesen Tipp dankbar sein wirst, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit kommen. Spätestens wenn du bremsen und dir mit den Füßen behelfen musst, wirst du merken, dass Flip-Flops keine gute Wahl (insbesondere für einen Anfänger!) sind. Ziehe leichte Turnschuhe an und nimm deine Flip-Flops mit. Ich musste z. B. einmal kräftiger bremsen und mich mit den Füßen abstützen. Dabei traf mein Fuß einen Stein auf der Straße, was dem Schuh danach deutlich anzusehen war. Nun stell dir vor, wie dein nackter Fuß über den Asphalt schleift… Da können sich einem die Fußnägel im wahrsten Sinne des Wortes aufrollen!!! Willst du das? Ich sage nur „No Flip-Flops“, egal, was andere Bali-Spezialisten behaupten.
Das Ganze kannst du natürlich auf die Wahl der Kleidung ausweiten, aber das bleibt dir überlassen.

Versicherung

Wie bereits erwähnt, gibt es i. d. R. keine Versicherung, wenn du einen Roller mietest. Solltest du in einem Unfall verwickelt werden, kommst du für die Schäden, die du verursacht hast, selber auf. Falls dir das nicht geheuer ist, kann ich dir diese Seite empfehlen: www.balibikerental.com. Hier bekommst du ein gutes Bike geliefert und kannst auch eine Versicherung und eine Reihe weiterer Zusatzleistungen dazu buchen. Es kostet natürlich etwas mehr, aber falls du dich dadurch entspannter fühlst, solltest du nicht am falschen Ende sparen.

Nützliche Gegenstände

Zum Abschluss einige Empfehlungen für Dinge, die du in diesem Zusammenhang noch brauchen könntest:

  • Taschenlampe
  • Buff
  • Regencape
  • Antimoskito-Spray (z. B. Autan oder vor Ort ist insbesondere die Marke Soffell zu empfehlen)
  • Beruhigende anti-allergische Salbe bei Moskito-Stichen – z.B. ist Fenistil sehr zu empfehlen!
  • Erste-Hilfe-Set
  • Schreibblock und Kugelschreiber (du wirst dich wundern, aber so viel Auswahl gibt es auf Bali nicht).
  • Sonnencreme (wird beim Fahren oft vergessen)
  • Sonnenbrille (sieht an dir bestimmt cool aus, schützt aber auch deine Augen)

Eine Kostprobe – Roller fahren auf Bali

Und hier kommt das versprochene Video. Es zeigt den „normalen“ Verkehr in einer ländlichen Gegend außerhalb der Rush-Hour. Die nervige Stimme im Hintergrund, die etwas gebrochen Deutsch spricht (lag bestimmt an den Schlaglöchern), ist übrigens meine. Das Video ist etwas lang, daher empfehle ich insbesondere die Stellen ab Minute 2, 6, 8 und 9. Gegen Ende wird es auf der Straße spannend und du kannst auch mein Gesicht im Seitenspiegel sehen. Der Ausdruck passt wunderbar zur Stimme…

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4 Antworten

  1. Dagmar sagt:

    Danke für den interessanten Bericht. So ähnlich habe ich es auch bei meinem Aufenthalt in Vietnam erlebt. In der Stadt habe ich nur sprachlos zugeschaut. Erst auf dem Land haben wir uns dann getraut, uns auch an dem „Trubelverkehr“ mit einem Roller zu beteiligen. Liebe Grüße, Dagmar

  2. Biene sagt:

    Uiuiui – ich überlege gerade, ob es eine gute Idee war, sich für Ende des Jahres auf einen 3-monatigen Südostasienaufenthalt einzulassen… Mein Gemahl hat mich schon vorgewarnt, dass ich diesmal nicht ums Rollerfahren drumherum komme. Als wir vor ein paar Jahren in Thailand waren, war es mir noch gelungen, mich zu drücken. Oh, oh – der Angstschweiß perlt jetzt schon von der Stirn!

    • Wenn du die Tipps beherzigst, klappt es bestimmt :D! Aber wenn es sich vermeiden lässt, möchte ich auch nicht unbedingt selber fahren. 3 Monate klingt jedenfalls toll, danach kann dich ein Roller bestimmt nicht mehr erschrecken ;)! LG, Dobrena

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